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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0020

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14

Robert Lais f und Elisabeth Schmid

Wilser* 12) und Kiefer13) nach, daß die südlich anstoßende Staufener Bucht ein großes Senkungs-
gebiet ist, in dem die Hochterrasse eine posthume Durchbiegung erfahren hat. Erb macht in die-
sem Zusammenhang auf den starken Anstieg der Hochterrassenschotter von 350 m bei Bollschweil-
Sölden bis auf nahezu 400 m aufmerksam. Die an der Linie Ehrenstetten-Offnadingen-Biengen
beginnende Einsenkung der Staufener Bucht ist die Ursache für die gewaltige Ausräumung, die
der südliche Teil des Hexentals in der Zeit nach der Ablagerung der Hochterrassenschotter er-
fahren hat. Die damit zusammenhängende, ruckweise Absenkung des Grundwassers wird durch
eine Grundwassermarke bewiesen, die ich im hinteren Steinbruch am Westfuß des Steinbergs,
1 km nördlich unserer Grabungsstelle, beobachten konnte. Hier haben die kleinen Schwankungen
des Grundwasserspiegels während eines im Ganzen lange Zeit gleichbleibenden Standes an einer
west-östlich verlaufenden Rogensteinwand eine scharf ausgeprägte horizontal laufende, aber die
Schichten spitzwinklig schneidende Hohlkehle geschaffen, die schätzungsweise 10 m über der jetzi-
gen Talsohle, also noch etwas höher über dem jetzigen Grundwasser liegt.
Die Ausräumung, die der südliche Teil des Hexentals erfahren hat, ist auch die Ursache
dafür, daß die Höhlen am Ölberg heute 30 m über der Aue der Möhlin liegen. Wichtig
ist für unsere späteren Darlegungen vor allem der Nachweis, daß die Ablagerungen des
Sandes in der ausgegrabenen Höhle der Hochterrassenzeit, also der R i ß -
Eiszeit, angehört. Das Riß -Würm-Interglazial ist offensichtlich die Zeit
der Ausräumung gewesen. Denn sie war bis zu einem hohen Ausmaß bereits voll-
zogen, als im Gefolge der Würmeiszeit die Lößüberwehung des Gebietes einsetzte. Bei
Gütighofen liegt Löß in etwa 290 m Höhe auf den obenerwähnten Hochterrassenschot-
tern. Er nimmt, allerdings meist in Lößlehm umgewandelt, im ganzen südlichen Hexental
zwischen Wittnau und Ehrenstetten vreite Flächen ein. Unter einer starken Lößdecke ist
ferner der flache untere Westhang des Ölbergs und die Senke zwischen Urberg und Ölberg
begraben; Löß steht auch am Ostfuß des Ölbergs ganz in der Nähe unserer Höhle an, da
wo der Fahrweg vom Kuckucksbad her am Waldrand entlang läuft.

Grabungsüber siebt
Aus dem östlichen Steilabfall des Ölbergs14) steigen vier große Felswände auf, die durch
steile, schmale Runsen voneinander getrennt sind. Auf dem Katasterplan des Grundbuch-
amtes Ehrenstetten ist die Lage und Erstreckung der Felsen nur ungenau eingetragen. Sie
sind daher von mir neu vermessen worden (Abb. 1 ganzseitig).
Von der Verbindungsgeraden der Steine 42 und 43 des Planes aus gemessen erstreckt sich der
südwestlichste Fels von 9 bis 57 m, der zweite von 68 bis 130 m, der dritte von 140 bis 200 m
und der letzte von 210 bis 225 m; an diesen stößt der kleine Steinbruch am Wege, der in nörd-
licher Richtung aufwärts in den Wald führt. Am zweiten und dritten Felsen wurden von mir im
Jahre 1932 drei kleine Probegräben gezogen; sie waren 72, 150 und 167 m von der obengenann-
ten Verbindungsgeraden der Steine 42 und 43 entfernt. In diesen Schlitzen konnten keine Spuren
der Anwesenheit des urgeschichtlichen Menschen entdeckt werden.
Allerdings hatten sie, wie sich im Laufe meiner späteren Grabungen herausstellte, nicht tief
genug in den Gehängeschutt hineingegriffen. Erst eine vierte Grabung, in 8 m Entfernung von
der Ausgangslinie angesetzt (Grabungsstelle des Planes, Abb. 1), brachte in geringer Tiefe einen
Feuerstein. Sie war 6 bis 7 m von der durch Zotz in den Jahren 1925 und 1926 ausgegrabenen
Grotte entfernt.

’2) Wilser, J., Die Entwicklungsstadien des südlichen Rheintalgrabens. N. Jahrb. f. Min. usw,,
Beil. B. 62, B, 1929.
13) Kiefer, H., Zur Tektonik und Morphologie des Rheintalrandes zwischen der Freiburger Bucht
und Müllheim. Bad. Geol. Abh., 7, 1935.
’4) Gemarkung Ehrenstetten, Walddistrikt III „Neubändle“.
 
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