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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0025

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Das Alter der paläolithischen Fundstelle am Ölberg bei Ehrenstetten, Ldkrs. Freiburg

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Der Kalkgehalt einer arideren Probe beträgt 36%. Er ist also recht beträchtlich, etwas
höher als bei den meisten Lößen. Von einem Löß 1 e h m kann also keinesfalls gesprochen
werden.
Eine gewisse Verlehmung ist gleichwohl feststellbar. Sie kommt in der mehr gelblichen
Färbung und in dem hohen Gehalt feinster abschlämmbarer Teilchen deutlich zum Aus-
druck.
Der in schwacher Salzsäure unlösliche Rückstand besteht fast nur aus gelbem Ton und
sehr viel eckig-splitterigem Quarzsand von weniger als 0,2 mm Größe. Er enthält auf-
fallend viel Glimmerblättchen, die zeigen, daß am Aufbau dieses Lößes auch Schwarz-
waldmaterial aus der nächsten Umgebung beteiligt ist, ebenso wie der hohe Kalkgehalt
auf die Auswehung des in der Vorbergzone entstandenen Kalkschuttes hindeutet. Quarz-
körner von mehr als 0,2 mm 0 sind sehr spärlich.
Den durch das Eindringen des Regenwassers nach der Ablagerung des Lößes verursachten Lösungs-
vorgängen verdanken auch die kleinen Lößkindel, die sich gelegentlich fanden, ihre Entstehung.
Sie gleichen den in reinen Lößen steckenden kleinen Konkretionen völlig und ähneln andern, etwa
in fluviatilen Sand- oder Schlickmassen vorkommenden, durchaus nicht. Auch von den in Schicht B
gefundenen „ruppigen“ Konkretionen sind sie völlig verschieden. Was Deecke15) hierüber schreibt
ist gewiß richtig, daß sich Konkretionen in allen feinkörnigen, wasserdurchlässigen und kalkhalti-
gen Absätzen bilden können; es muß eben auf die jeweilige Besonderheit dieser Konkretionen
geachtet werden. Für die Frage, ob es sich um äolisch abgelagerten primären oder umgelagerten
Löß handelt, ist das Vorkommen dieser Lößkindel allerdings bedeutungslos.
Deecke16) spricht im Anschluß an die Ausführungen von Zotz über den in der Höhle
gefundenen Löß von umlagertem Verwitterungslehm mit Löß- und Lößlehm-Bei-
mengungen, und Zotz1') gibt ausdrücklich die Möglichkeit zu, daß es sich um postglazial
eingewehten Löß gehandelt habe.
Zunächst soll untersucht werden, ob der Löß des Schuttkegels ein derartig später,
umgelagerter Löß sein kann. Denn die Klärung dieser Frage ist für die stratigraphische
Eingliederung des Magdaleniens vom Ölberg geradezu entscheidend.
Es muß vor allem betont werden, daß zwischen größeren Kalksteinstücken häufig ein
sehr reiner Löß lagerte, der fast keine Kalksteine enthielt. Die in der Schlämmanalyse
gewonnenen groben Anteile der Probe bestanden nahezu ganz aus kleinen Wurzel-
röhrchen.
Handelte es sich dabei um umgelagerten Löß, so müßten kleine Kalksteinstückchen in sehr
viel größerem Ausmaß beigemengt sein. Denn meine an den Sedimenten einer Höhle des
benachbarten Schweizer Juras vorgenommenen Korngrößenuntersuchungen18) haben ge-
lehrt, daß der eiszeitliche Spaltenfrost nicht nur grobe Gesteinsscherben, sondern auch
feine und feinste Splitter in erheblicher Menge liefert. Diese müßten einem einge-
schwemmten oder sonstwie umgelagerten Löß schichtweise oder regellos beigemengt sein.
Derartiges konnte aber in unserer Schicht C nirgends beobachtet werden.
15) Deecke, W., Zur Entstehung der Deckschichten über ur- und frühgeschichtlichen Fundstätten
Südwestdeutschlands. Schumacher-Festschrift, Mainz 1930.
16) Deecke, W., in W. Deecke, G. Kraft und E. Peters, 1929, a. a. O.
17) Zotz, L. F., 1928, a. a. O.
18) Lais, R., in F. Ed. Koby, Une nouvelle Station prehistorique (paleolithique, neolithique, äge du
bronze): les cavernes de St. Brais (Jura bernois). Verh. Naturf. Ges. Basel, 49, 1938, 192.

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