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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0068

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62

Wolfgang Kimmig

Der Griff des Schwertes aus Holstein, das als Typ ebenfalls ein Kurzschwert gewesen
sein muß (die Klinge ist weitgehend abgebrochen), war also in seinen Abmessungen
um ein deutliches größer, was eine Verwendung der gleichen Gußform von vornherein
ausschließt.
Der Vergleich im einzelnen läßt dies noch klarer hervortreten. Die Knaufplatten-
verzierung des Holsteiner Schwertes (Abb. 7c) besteht aus einem fortlaufenden, kom-
pliziert geschlungenen, ganz fein gekerbten Band, das um den Knaufdorn herum-
geführt ist. In die einzelnen Schlingbögen sind als selbständige Füllsel konzentrische
Kreiskörper eingefügt, wodurch fälschlich der Eindruck von Tangentenspiralen her-
vorgerufen wird. Vier solcher unechter Doppelspiralen sind zu einer Art Vierpaß
zusammengefaßt. Der Knaufrand besteht aus einer breiten Borte, die ein feines
Zickzackband inmitten zweier Kerb-, besser Perlleisten, zeigt.
Dieses Zierschema, äußerst fein und sorgfältig ausgeführt, findet im Norden genaue
Parallelen, wenngleich gute Vergleichsstücke offenbar nur selten sind. Immerhin ge-
winnt man etwa aus der Lektüre des Kerstenschen Buches über die ältere nordische
Bronzezeit den Eindruck, daß „konzentrische Kreisgruppen, die durch eine um sie
geschlungene Doppellinie zu einem fortlaufenden Zierband vereinigt sind“ (S. 12),
etwa unserem Schema entsprechen müssen. Ein gutes Beispiel für unsere Zierweise ist
das Schlingband auf der Goldscheibe von Trundholm2), wo auch die gleiche von Perl-
schnüren eingefaßte Zickzackbordüre erscheint. Perlschnurgesäumte Schlingbänder um
isolierte konzentrische Kreiskörper, die echte Spiralen vortäuschen sollen, gibt es in
verschiedenen Abwandlungen auch auf Schwertgriffen3). Zwischen solchen „falschen“
Spiralen und den echten Tangentenspiralen lassen sich alle Übergänge beobachten. Ob
sich hier, wie es etwa van Scheltema vorschlägt4 5), ein entwicklungsgeschichtlicher und
damit wohl auch chronologischer Unterschied anzeigt, scheint wenig wahrscheinlich.
Sicher dagegen ist, daß zum typischen Erscheinungsbild der M Il-Ornamentik das feine
Perlschnurband gehört, das -—■ häufig mit Zickzacks kombiniert — als begrenzender
Randsaum Verwendung findet.
Betrachten wir demgegenüber die Knaufplattenzier unseres Kehler Schwertes, so zeigt
sich ein schroffer Unterschied. Auch hier sind vier, diesmal echte Doppelspiralen vier-
paßartig um den Mittelknopf gruppiert. Doch ist das Ornament grabenartig tief ein-
geschnitten und mit deutlichen Resten weißlicher Inkrustationsmasse gefüllt. Perl-
schnurbegrenzung fehlt vollkommen, die aus drei konzentrischen Rillen bestehende
Randborte ermangelt der sonst so beliebten feinen Zickzackfüllung (Abb. 6c).
Auch im Norden gibt es Doppelspiralen (obwohl die fortlaufende Tangentenspirale
vorzuherrschen scheint), wobei dann jeweils zwei Doppelspiralen durch ein tangen-
tiales Band miteinander verbunden werden0). Das Tangentenprinzip wird jedoch im

2) Z. B. Ipek 1931, 38 Abb. 27c Mitte. — S. Müller, Oltidens Kunst, Bronzealderen 17. —
H. C. Broholm, Danmarks Bronzealder 2 (1944), Taf. 39, 4 oben.
3) Z. B. K. Kersten a. a. O., Taf. 5, 11b.
4) A. van Scheltema, Die altnordische Kunst 110 ff.
5) Z. B. S. Müller a. a. O. 11 Abb. 25; 15 Abb. 49 (auf dem Beiblatt); etwas anders, aber im
Prinzip hierher gehörig 15 Abb. 56.
 
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