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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0079

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Zur Gruppierung mitteleuropäischer Griffzungendolche der späten Bronzezeit

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Salerno stammende Stück (Kat. Nr. 33) mögen einen Parallel-Fall andeuten. Aus der
Ebene nördlich des Po liegen nur einige Dolche der Gruppe A nebst einigen Varian-
ten vor. Kaum vertreten ist die Gruppe im nordalpinen Raum, wo etwa auf den
weit westlich vorgeschobenen Bertarina-Dolch von Singen (Kat. Nr. 16) hingewiesen
werden darf.
Die Verbreitung der Gruppe B (vgl. Karte 2, Taf. 3) zeigt ein stark verändertes Bild.
Ihr Schwerpunkt liegt nicht mehr südlich, sondern nördlich des Po. Eine größere
Rolle spielt jetzt der Donauraum, in dem man vielleicht das Entstehungsgebiet des Typs
Bosisio (6) vermuten darf. Süditalien, Sizilien und Kreta bleiben gänzlich fundfrei.
Bemerkenswert auch, daß sich die verschiedenen Typen der Gruppe B etwa in ihrer
Verbreitung decken.
Die Fundkarte der Gruppe C (vgl. Karte 3, Taf. 4) umschreibt im ganzen den gleichen
Raum wie bei der Gruppe B, doch tritt nunmehr das donauländische Gebiet weit
stärker hervor. Auch bietet die Verbreitung der einzelnen Typen und Serien ein sehr
viel unterschiedlicheres Bild. So gibt es lokale norditalienische oder donauländische
Formenkreise, wieder andere finden sich in beiden Gebieten. Ein charakteristisches
Beispiel ist der Gegensatz zwischen dem Typ Canegrate (15) und dem Typ Garlasco
(14). Obschon beide Formen eine unverkennbare Verwandtschaft besitzen, liegt das
Schwergewicht des Typs Canegrate in der Po-Ebene und in den südlichen Alpen-
tälern; im Donauraum fehlt unser Typus vollkommen. Umgekehrt streut der Typ
Garlasco vor allem im Gebiet der oberen Theiß, ein Stück liegt bei Zagreb, während
sich ein zweites, freilich schwächeres Fundgebiet in der Po-Ebene bildet. Ähnliche
Beobachtungen lassen sich im übrigen auch in der Gruppe B machen. So ist der mit
Canegrate verwandte Typ Donawitz (7) offenbar nicht im Donauraum heimisch,
während der mit Garlasco verbundene Typ Bosisio (6) dort am häufigsten vorzu-
kommen scheint.
Das Schwergewicht der Gruppe D (vgl. Karte 4, Taf. 5) liegt ausgesprochen im Donau-
raum, nur wenige Exemplare stammen aus den beiden Hälften der Po-Ebene. Bemer-
kenswert sind die beiden, weit nördlich isolierten Dolche des böhmischen Kessels.
Alle Dolche unserer Gruppe A, die aus geschlossenen oder sonst datierbaren Fund-
komplexen stammen, zeigen ein hohes Alter. Ein Exemplar des Typs Gorzano (1)
(Kat. Nr. 4) aus der gleichnamigen Terramara wurde zusammen mit zwei anderen
Griffzungendolchen, vier Beilen archaischer Form, unter ihnen zwei mittelständige
Lappenbeile und sogar ein Randleistenbeil, in einem kleinen Depot gefunden, das in
der noch mittelbronzezeitlichen Schicht Ila lag. Ein Dolch vom Typ Psychrd (3) (Kat.
Nr. 25) aus einem sonst beigabenlosen Grab der Nekropole von Zapher Papoura auf
Kreta, deren jüngste Bestattungen in die Stufe „Spätminoisch III B“ gehören, kann
aus diesen Gründen nicht später als etwa 1230 datiert werden.
In die gleiche Zeit muß eine Variante zwischen Typ Psychrd (3) und Typ Pertosa
(4) gehören, die aus der apenninischen Schicht der Siedlung von Scoglio del Tonno
bei Tarent (Kat. Nr. 27) (Taf. 6, 20) stammt, da über dieser Schicht eine andere, der
sub-appenninischen Stufe (Säflunds „Adriatische Kultur“) angehörende Schicht lag, die
unter anderem mykenische Scherben der Furumarkschen Stufe III Cla (1230—1200)
enthielt. Ein Dolch vom Typ Pertosa (4) aus dem schon erwähnten Depot von Gor-
 
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