Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0085

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Zur Gruppierung mitteleuropäischer Griffzungendolche der späten Bronzezeit

79

weilen kaum möglich, da man sich die wirkliche Zeitdauer der Stufe Bronzezeit D und
ihre exakte chronologische Abgrenzung gegenüber der vollen Urnenfelderzeit nur in
vagen Umrissen vorstellen kann.
Die Scheidung von Griffzungendolchen unserer Gruppe B/C von solchen der Gruppe D
berührt noch eine andere chronologische Frage von Bedeutung, nämlich die nach dem
Ende der Terremare. G. v. Merhart setzt dieses Ereignis in die Zeit des Übergangs
von älterer zu jüngerer Urnenfelderkultur, und zwar auf Grund des Fehlens von
Bogenfibeln im Terremarebereich bei gleichzeitigem Auftreten derselben unmittelbar
danach im gleichen Gebiet. Dies ist ohne Zweifel richtig, auch wenn man sich darüber
streiten kann, ob die zwei Zeitphasen, zwischen die das Ende der Terremare fällt,
als Hallstatt A und B oder nicht besser als Hallstatt A 1 und Hallstatt A 2 benannt
werden sollten16).
Für den letzteren Vorschlag könnte die Tatsache sprechen, daß bisher kein Dolch
unserer Gruppe D im engeren Terremare-Gebiet gefunden worden ist. Dieser Befund
dürfte eher im zeitlichen denn im räumlichen Sinne zu deuten sein, insofern Gruppe D
sowohl nördlich der Terremare in den Pfahlbauten von Peschiera wie auch südlich
und östlich, z. B. in der apenninischen Siedlung von Toscanella Imolese, vertreten ist.
Auch der Dolch von Poggio Berni bei Forli (Kat. Nr. 150) gehört zu einem sicher
jüngeren Hortfund. Daraus wäre zu schließen, daß Gruppe D dem Pianello-Bisman-
tova-Horizont entspricht, auch wenn Dolche in Gräbern dieser Stufe zu fehlen
scheinen, was aber u. U. nur durch die Bestattungssitte zu erklären ist.
Ziehen wir zum Vergleich noch die Verbreitung einiger Violinbogenfibeltypen zur
Stützung dieser Annahme hinzu. Griffzungendolche der Gruppe A und Fibeln der
Typen Sundwall Il e (Bügel schnurartig gedreht mit Knoten) und IV ß c (Bügel mit
Knoten, weidenblattähnlich) kommen zusammen in Scoglio del Tonno und in den
Terremare vor. In den Terremare und in der Siedlung von Imboccatura del Mincio bei
Peschiera sind ferner sowohl Dolche der Gruppe B/C wie Fibeln der Typen Iaa (mit
Spiralscheibenfuß) und II a (schnurartig gedrehte Bügel ohne Knoten) vorhanden. Aus
Imboccatura stammen schließlich Dolche der Gruppe D und Fibeln der Typen II i (Bügel
schnurartig, der zum Nadelhalter gehende Teil erhöht) und III b (Bügel mit Achter-
schleifen, der zum Nadelhalter führende Teil erhöht), Fibeln, die auch in Pianello ver-
treten sind.
Offen bleiben freilich die angeschnittenen Fragen vom Standpunkt der absoluten
Chronologie aus. Es gibt nämlich eine Reihe von Tatsachen, die v. Merharts An-
nahme von einem durchgehenden Bogenfibelhorizont um 1100 widersprechen. Schon
rein methodisch könnte man einwenden, daß sich dieses Datum einmal auf die, einer
Kritik unterzogenen, von Furumark höher datierten ägäischen Bogenfibeln stützt, wäh-
rend es sonst der von Furumark vorgeschlagenen Chronologie folgt. Nun sind aber
einige der angezweifelten Funde, wie die von Kourion und Moulianä, nicht nur
für die Datierung der ältesten Bogenfibeln, sondern darüber hinaus für die gesamte
spätmykenische Chronologie äußerst wichtig. Auch ist die Zahl der sicher geschlossenen

1G) Atti Congr. Pre- e Protostoria mediter. (1950) 390, Abb. 3 (G. Kossack).
 
Annotationen