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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0149

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Latenezeitliche Brandgräber von Bettingen, Ldkrs. Tauberbischofsheim

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von Alesia und Pommiers zwar auf, wie wir heute wissen, unsicheren Voraussetzungen
basierten, daß sich jedoch gleichwohl die späte Stellung der „Nauheimer“ Fibel in der
Folge als richtig erwies2). Man wußte damit, daß die von P. Reinecke umschriebene
Phase D der Latenezeit erst den letzten Jahrzehnten des 1. vorchristlichen Jahrhunderts
angehören könne. Weiter ließ sich ein Fundkomplex mit bronzenen und eisernen
„drahtförmigen“ Fibeln vom Mittellateneschema ausscheiden, der mit großer Sicherheit
einem älteren Abschnitt, vermutlich der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts mit Einschluß
der Caesarischen Kriege, zuzuweisen war3). F. Fischer hat mit guten Gründen daraufhin
eine Koordination der Begriffe „ältere Phase von Latene D“ und „mittlere Latenezeit
= Latene C nach Reinecke“ versucht4). Als Fazit bleibt auf alle Fälle die Erkenntnis,
daß das früher allgemein als Spätlatene (Latene D) bezeichnete letzte Jahrhundert v.
Chr. in zwei deutlich trennbare Zeitperioden zerfällt, auch wenn schon Dehn und
Schönberger darauf aufmerksam gemacht haben, daß „Fibeln vom Mittellateneschema“
noch bis zum Beginn des 1. nachchristlichen Jahrhunderts andauern5).
Unsere Bettinger Gräber 2 (Taf. 21, C), 3 (Taf. 23/24), 4 Taf. 25, B) und 5 (Taf. 25, A)
sind alle mit eisernen Fibeln „vom Mittellateneschema“ ausgestattet. Daß solche aus-
gerechnet in dem von Wahle behandelten Grab 1 (Taf. 22) fehlen, läßt den Verdacht
aufkommen, daß auch dieses Grab ursprünglich Fibeln besaß, vor allem, wenn man
Grab 1 mit dem in seiner Ausstattung so ähnlichen, nur reicheren Grab 3 (Taf. 23/24)
vergleicht.
Die Bettinger Fibeln variieren alle in Einzelheiten, doch weisen sie durchweg jene Merk-
male auf, die als entscheidend für ihren Ansatz in jene „ältere Phase des Spätlatene“
gelten können. Zu diesen gehört vor allem die obere Sehne mit vier bis sechs Windun-
gen. Niemals ist eine untere Sehne zu beobachten und auch eine obere Sehne mit
Sehnenhaken fehlt. Gerade der Haken ist jedoch ein Indiz, das als kennzeichnend für
jene Pseudo-Mittellatenefibeln der frühen Kaiserzeit gelten darf6). Und was die Fuß-
bildung unserer Bettinger Fibeln anbelangt, so fügen sich die aufgeschobenen Knöpfe
oder die laschenförmige Verbreitung, mit der der Bügel umfaßt wird (Taf. 24, 3), gleich-
falls völlig in jenen älteren Horizont ein.
Mit solchen Beobachtungen kann aber nunmehr die zeitliche Stellung unseres Gräber-
feldes wesentlich schärfer umrissen werden als Wahle dies getan hat. Das von ihm vor-
geschlagene Datum „um 50 v. Chr.“ stellt also die untere Grenze dar, bis zu der Gräber
der Bettinger Art angelegt worden sind. Zwar sei nicht verschwiegen, daß etwa im

2) Die ältere Literatur vollständig bei F. Fischer in: Goesslerfestschrift (1954) 39. — Grund-
legend zur Nauheimer Fibel jetzt J. Werner in: Sprockhoff-Festschrift (Mainz. Jahrb. 2,
1955, 170 ff.). Vgl. auch C. A. Moberg in: Acta Archaeologica 21, 1950 und 23, 1952, lff.
3) F. Fischer in: Goesslerfestschrift a. a. O. 37 ff. -— H. Schönberger, Die Spätlatenezeit in der
Wetterau in: Saalburgjahrbuch 11, 1952, 50 und 57.
4) F. Fischer in: Goesslerfestschrift a. a. O. 35 ff. — Vgl. vor allem auch W. Krämer in: Reinecke-
festschrift (1950) 87 ff.
5) W. Dehn in: Katalog Kreuznach (Kat. VII West- u. süddeutsche Altertumssammlungen 1941)
157. — H. Schönberger in: Saalburgjahrbuch a. a. O. 49.
6) H. Schönberger in: Saalburgjahrbuch a. a. O. 50 mit Nachweisen in Anm. 102. — J. Werner
in: Sprockhoff-Festschrift a. a. O. 181.
 
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