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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0159

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Latenezeitliche Brandgräber von Bettingen, Ldkrs. Tauberbischofsheim

153

Ein. gleiches Datum wird man den oben genannten siebenbürgischen Gräbern zubil-
ligen müssen, bei denen es sich übrigens überwiegend um Brandgräber handelt. Die
Anm. 73 erwähnten Gräber von Apahida und Balsa lassen wie auch die ungarischen
Keltengräber noch ganz die Tradition der Frühlatenezeit erkennen, doch werden sie
sicherlich ebenfalls in die Zeit „um 300“ herunterreichen78). Der 279/80 erfolgte Auf-
bruch der Kelten nach Makedonien, Griechenland und zum Bosporus mag hier als
terminus ante für die ältere keltische Schicht im Donauraum gelten. Die Gräber von
Apahida und Balsa enthalten neben den Scheren auch große Eisenfibeln vom Mittel-
lateneschema, bandförmige Schildbuckel, Schwerter mit altertümlich wirkenden Ort-
bändern, alles Dinge, die sich in geringer Abwandlung auch wieder in Bettingen fin-
den und die man im Donauraum keinesfalls sehr weit herunterdatieren kann. Auf alle
Fälle ist die Schere bei den Kelten schon frühzeitig ausgebildet und zahlreich in Ge-
brauch, was wiederum ein Blick auf La Tene verdeutlicht, wo Scheren schon ganz ver-
schiedener Form mehrfach vorliegen79).Eigenartigerweise fehlen Scheren in den nord-
schweizerischen Gräberfeldern, was wohl am ehesten mit einer besonderen Sitte zu
erklären sein wird.

Die Schere ist dann zweifellos von den Germanen übernommen worden, was einmal
mehr die Überlegenheit der keltischen Industrie beweist. Wann mit diesem Vorgang
zu rechnen ist, ist einstweilen nicht zu übersehen. In Gross-Romstedt gibt es zwar
sechzehn Scheren, die nach Hachmann nur im älteren Südteil des Gräberfeldes vor-
kommen, doch ist nicht zu entscheiden, ob dieser Teil noch in die erste Hälfte des
letzten Jahrhunderts zu liegen kommt80). Tackenberg kennt 1925 noch keine Scheren
aus Spätlatenegräbern81). Pescheck kann zwar 1939 neun Scheren aus Gräbern des
1. vorchristlichen Jahrhunderts namhaft machen82), doch sind nur drei Gräber mit
Fibeln versehen, von denen allenfalls Gross-Sürding, Grab 2 (Pescheck 171 Abb. 47 auf
S. 53) auf Grund der eisernen „Mittellatenefibel“ noch unserem späten Mittellatene
entsprechen könnte. Greifen wir aus dem Niederelbegebiet den großen Friedhof von
Harsefeld heraus, so nennt Wegewitz hier vierzehn Scheren, die sämtlich aus Männer-
gräbern stammen und die der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts zugerechnet werden83).
Leider ist es schwierig, die mitgefundenen, durchaus lokalen Fibeltypen ohne weiteres
mit echten keltischen Fibeln vom Mittel- bzw. Spätlateneschema zu vergleichen. Auf
alle Fälle dürfte auch dieser summarische Überblick genügen, um die keltische Her-
kunft der Schere zu erweisen.
Die übrigen Bettinger Gegenstände mit Ausnahme der Keramik sind entweder von
untergeordneter Bedeutung oder aber in ihrem keltischen Charakter unbestritten.
Hierher gehört z. B. das Bruchstück der bronzenen Gürtelkette (Taf. 21, B; 26, 1)) das

78) v. Marton, Frühlatenezeit in Ungarn. — J. v. Hunyady, Kelten im Karpathenbecken (nur
Tafelband zugänglich).
79) P. Vouga, La Tene, Taf. 22, 2—6.
80) Arch. Geogr. 1, 1950/51, 18.
81) Wandalen in Niederschlesien a. a. O. 101.
82) Chr. Pescheck, Frühwandalische Kultur a. a. O. 77.
83) W.Wegewitz, Langobardische Kultur im Gau Moswidi 103 f.
 
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