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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0160

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Albrecht Dauber und Wolfgang Kimmig

leider keinem Grabe mehr zugewiesen werden kann. Gürtelketten beginnen bereits im
späten Frühlatene und können dann als Leitform der Mittellatenezeit (Reinecke C)
gelten84). Wie weit sie sich ins eigentliche Spätlatene (D) gehalten haben, was man an-
gesichts der weit in die Kaiserzeit hinein fortlebenden Gürtelhaken fast vermuten
möchte, ist meines Wissens noch nicht untersucht85). Immerhin ist unter den Funden
etwa des Karlstein bei Reichenhall86) nichts, was auf eine Kette hinweisen könnte. Das
gleiche gilt für das Gräberfeld bei der Gasfabrik von Basel87), dessen 90 Skelettgräber
im wesentlichen gleichfalls der Latenephase D angehören müssen. Auf dem Hradischt
bei Stradonitz ist zwar eine prachtvolle Bronzekette gefunden worden88), doch ist es bei
dem gelegentlichen Auftauchen auch älterer Funde89) an diesem Platz nicht ausgeschlos-
sen, daß auch die Kette zu diesem Bestand gehört. Andererseits weist Werner mit
Recht darauf hin, daß keltische Gürtelketten in abgelegenen Gegenden wie z./B. dem
Tessin bis in Augusteische Zeit in Mode geblieben sind90). Auch die Gürtelkette ist
dann im Zuge des kelto-germanischen Kulturaustausches nach dem Norden gekommen,
wo sie während der spätesten Latene- und der älteren Kaiserzeit zwar in durchaus
eigenständigen Varianten erscheint, die jedoch fast immer die keltischen Anregungen
erkennen lassen. Werner und Nylen haben fast gleichzeitig am Beispiel der dänischen
Gürtel vom Typus Skjoldborg/Karby und solcher von der Insel Gotland auf diese
keltischen Verbindungen aufmerksam gemacht, die überzeugend nach dem spätlatene-
zeitlichen Donauraum weisen (Kultur der oppida vom Typus Hradischt und Velem
St. Vid91).

84) P. Reinecke in: Alt. heidn. Vorz. 5, 288 ff., Taf. 51. -— J. Dechelette, Manuel 4 (1927) 736 ff.
mit einem (jetzt überholten) Überblick über die Verbreitung der Ketten. — Die Schweizer
Ketten außer bei Viollier, vgl. Anm. 15) jetzt in guten Fotos bei O. Tschumi, Urgesch. d.
Kantons Bern (1953) Abb. 4 (Belp), Abb. 55 (Münsingen), Abb. 66 (Niederwichtrach), Abb. 67
(Oberhofen), Abb. 85 (Deisswil), Abb. 114 (Illiswil). -— Die österreichischen Ketten bei R.
Pittioni, Urgesch. d. Österreich. Raumes (1954) 680 ff. Dazu Germania 33, 1955, 174 ff.
J. Haberl. — Die ungarischen Ketten bei I. v. Hunyady, Kelten im Karpathenbecken, Taf.
34/35. — Vgl. auch W. Krämer in Reinecke-Festschrift 91 f.
85) J-Werner in: Kuml 1952, 139 glaubt an Fortdauer solcher Gürtelketten bis nach Reinecke
D. —■ vgl. auch H. Schönberger in: Saalburgjahrbuch a. a. O. 43 f.
86) Alt. heidn. Vorz. 5, 364 ff., Taf. 63 (P. Reinecke).
87) E. Major, Gallische Ansiedlung mit Gräberfeld bei Basel (1940) 136 ff.
88) I. L>. Pic, Le Hradischt a. a. O., Taf. 15, 1.
89) ebenda Taf. 3, 1—3. 21—22. 29. 31—33 (Fibeln von Früh- Mittellateneschema). — Gewis-
sermaßen als Gegenprobe kann der Fundstoff vom Mont Beauvray (Bibracte) dienen, der
keinerlei älteres Latenematerial geliefert hat. Ketten fehlen hier vollständig (vgl. J. G. Bul-
liot, Fouilles du Mont Beauvray, Album, Taf. 44—53 (Autun 1899).
90) R. Ullrich, Gräberfelder von Bellinzona II, Taf. 68, 2 (Giubiasco Grab 87). Die Kette aus
Grab 16 des gleichen Gräberfeldes (Taf. 69) gehört nur entfernt zu unserer Gattung. Auch
die Ketten aus Velem St. Vid. in: K. v. Miske, Velem St. Vid, Taf. 45, 51—59 weichen im
Typus ab, eine Ausnahme bildet vielleicht ebenda 54, doch gilt auch für Velem, daß eine
exakte Datierung der dort vorhandenen Ketten beim Vorhandensein auch älterlatenezeit-
lichen Fundmateriales nicht durchführbar ist.
91) J. Werner in: Kuml 1952, 137 ff. — E. Nylen in: Fornvännen 47, 1952, 211 ff. — Zu den
sog. „Holsteinischen“ Gürteln F. Knorr, Friedhöfe der älteren Eisenzeit in Schleswig-Hol-
stein (1910) 36, Taf. 6 und G. Müller in: Mannus 30, 1938, 33 ff. — Zu den Samländischen
Gürteln H. Jankuhn in: Prussia 30, 1932/33, 166 ff. — Zu den Gürteln von Gross-Rom-
stedt Eichhorn, Gross-Romstedt a. a. O. 212 ff.
 
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