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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 20.1956

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https://doi.org/10.11588/diglit.43787#0300

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Buchbesprechungen

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hilfe eingestuft ist, folgt eine allgemeine Übersicht über die Quellenlage und über die Siedlungs-
räume Starkenburgs. Die folgenden Abschnitte dienen einer Übersicht über den seit 1937 erhaltenen
und vor allem neu dazugekommenen Fundbestand von der Jungsteinzeit bis zur Merowingerzeit.
Sehr geschickt ist dabei an die Spitze jeweils eine alphabetische Übersicht der bis 1937 bekannt-
gewordenen Funde gestellt worden, die den Anschluß an die ältere Forschungsepoche vermittelt
und die gleichzeitig erkennen läßt, daß die Summe der seit 1937 gemachten Neufunde schon jetzt
fast die früheren Zahlen erreicht. Ein schönes Beispiel für die Aktivität der Denkmalpflege!
Die vorgelegten Neufunde sind kurz, aber ausreichend beschrieben und mit ihren wichtigeren
Stücken in guten Zeichnungen und photographischen Wiedergaben dargestellt. Jeder Kulturepoche
ist außerdem ein einführendes Kapitel vorangeschickt, in dem gewissermaßen der Stand der For-
schung skizziert ist und in dem zugleich die Neufunde in knapper, klarer Weise ihre Einordnung
und Würdigung finden. Der doppelte Zweck: Belehrung des interessierten Heimatforschers, aber
auch orientierende Übersicht für den Wissenschaftler, scheint uns durchaus erreicht. In diese Ein-
führungen teilen sich für die Vorgeschichte Werner Jorns und Gudrun Loewe, die Zeit der Römer-
herrschaft hat Georg Wiesenthal übernommen, für die alamannisch-fränkische Zeit zeichnet eben-
falls der Herausgeber. Drei interessante anthropologische Beiträge aus der Feder Kurt Gerhardts
und Ilse Schwidetzkys ergänzen in glücklicher Weise die Berichte der archäologisch-historischen
Forschung.
Es ist hier nicht der Platz, die von den genannten Bearbeitern vorgetragenen wissenschaftlichen
Thesen zur Vor- und Frühgeschichte Starkenburgs im einzelnen einer Prüfung zu unterziehen,
doch darf gesagt werden, daß uns diese „dritte Vorgeschichte Starkenburgs“ nach dem ersten Ver-
such Friedrich Behns und der teilweise stark anfechtbaren Darstellung A. Kochs die glücklichste und
wissenschaftlich fundierteste erscheint. Daß gerade Jorns hier neue Wege zu gehen versucht, zeigt
sich besonders gut in dem Kapitel über die Latenezeit, die in eine keltisch bestimmte und eine
solche suebischer Prägung unterteilt wird. Die vorsichtige Zurückhaltung bei der gerade im starken-
burgischen Raum so schwierigen Erörterung der ethnischen Verhältnisse berührt nach den, in oft
übertriebener Weise, „germanophil“ bestimmten Thesen Kochs besonders wohltuend.
Ein Abbildungs- und Tafelverzeichnis sowie ein Fundortsregister beschließen den stattlichen Band,
den der Verlag in jeder Weise gut ausgestattet hat. Man kann nur hoffen, daß es dem verdienst-
vollen Herausgeber und seinen Mitarbeitern gelingen wird, durch Vorlage weiterer Berichte das
begonnene Werk zum Nutzen der Forschung und zur Belehrung der Bevölkerung auch in Zukunft
fortzusetzen.
Tübingen Wolfgang Kimmig
Joachim Werner: Das alamannische Gräberfeld von Bülach. Monographien zur Ur- und
Frühgeschichte der Schweiz, Band 9, 144 Seiten, 39 Tafeln und 3 Pläne, Basel 1953.
Die erschöpfende Vorlage des in den Jahren 1920/24 und 1927/28 vom Schweizerischen Landes-
museum in Zürich durch F. Blanc untersuchten alamannischen Gräberfeldes von Bülach, etwa 25 km
nördlich von Zürich gelegen, in der Reihe der Monographien zur Ur- und Frühgeschichte der
Schweiz darf als begrüßenswert und für die Veröffentlichung weiterer Fundbestände dieser Zeit
richtungweisend und mustergültig bezeichnet werden. Das Schweizerische Landesmuseum und die
Schweizerische Gesellschaft für Urgeschichte haben wohl zusammen mit dem Verlag keine Opfer
und Mühe gescheut, der Bearbeitung des Fundstoffes durch den Verfasser eine vorbildliche Aus-
stattung beizugeben.
Die einfachen Umrißzeichnungen der Grabinventare erleichtern die Benützung des Katalogteils
erheblich. Die ungewöhnlich gut erhaltenen Gürtelgarnituren und sonstigen Tauschierarbeiten sind
auf den Tafeln ausgezeichnet wiedergegeben. Die Nummerierung der Tafeln mit arabischen Zahlen
hätte entsprechend der Zitierweise im Text die Geschlossenheit des Werkes noch erhöht. Die drei-
fache Planwiedergabe nach dem Geschlecht der Bestatteten (Plan I), Datierung der Gräber (Plan II)
und Verteilung der charakteristischen Beigaben (Plan III) ist von besonderem Wert, dokumentiert
sie doch die Ergebnisse der typologischen Erörterungen in anschaulicher Weise. Die Übersichtlich-
keit des 3. Planes hätte sicher noch gewonnen, wenn trotz der Vielfalt der Typen eine z. T. ein-
 
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