Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Page: 208
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*0S Drusus, der Sohn des Tiberius.

(31 n. Chr.). Im folgenden Jahre wurden ihre Bildnisse beseitigt und
ihr Andenken verfluchtl.

Tiberius Gemellus wurde 19 n. Chr. geboren, mit einem Zwil-
lingsbruder Germanicus 2, der aber schon im 4. Jahre starb 8. Ob-
gleich später wegen der bekannt gewordenen Untreue seiner Mutter
die Echtheit seiner Geburt in Zweifel gezogen wurde, wurde er doch
im Testament seines kaiserlichen Grossvaters zugleich mit Caligula
zum Nachfolger bestimmt. Caligula erkaufte sich dann vom Senat
die Alleinberechtigung, indem er den Tiberius adoptierte und zum
princeps juvcntutis ernannte. Doch zog er es bald darauf vor, ihn
zu töten (37 n. Chr.) 4. Eine Grossbronze mit den aus Fruchthörnern
hervorragenden Kinderköpfen der beiden Zwillinge (abg. Lenormant
Icon. rom. pl. X. 12) hat trotz ihrem schönen Gepräge keinen iko-
nographischen Wert.

Julia, die ältere Schwester des vorigen, war zuerst mit ihrem
Vetter Nero, dem ältesten Sohn des Germanicus, verheiratet worden
(20 n. Chr.), ohne Zweifel jünger als ihr Gemahl, der damals 14 bis
15 Jahre alt war, so dass ihre Geburt etwa ins Jahr 8 n. Chr. ge-
setzt werden muss. Nachdem Nero mit seiner Mutter durch die
Intrigen des Sejan im Jahr 29 verbannt worden war, wurde sie, wenn
man dem Zonaras glauben darf5, mit dem Verderber ihres Gemahls
und dem Buhlen ihrer Mutter verlobt. Indes ist diese Annahme nicht
ohne sachliche und kritische Schwierigkeiten6. Im Jahre 31 erfolgte
der Sturz des Sejan, 33 heiratete Julia den Rubellius Blandus, den
Enkel eines römischen Ritters. Zehn Jahre später (43) fiel sie als ein
Opfer der Eifersucht der Messalina7.

Also eine Frau, welche im Anfang des Matronenalters starb
(ca. 43 Jahre alt), ein Jüngling, nicht über 18 Jahre alt, und eine
zweite Frau, welche die Mitte der Dreissiger erreichte, das sind die
einzigen Daten, die uns zur Ermittelung ihrer Bildnisse an die Hand
gegeben sind. Darauf gebaute Conjecturen sind zum voraus zur
Wertlosigkeit verurteilt.

1 Tac. Annal. VI. 2.

2 C. I. ßr. 2630.

8 Tac. Annal. IV. 15.

4 Die 1777 bei S. Carlo am Corso gefundene Grabsehrift des Tiberius s. bei
Orelli Inscr. lat. 669.
8 Zonar. X, 2.

6 Vgl. die Ausleger zu Tac. Annal. V, 6 und VI, 8.

7 Dio LX, 18.
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