Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Page: 83
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bernoulli1886/0096
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Strozzi-Blacas'scher Cameo. Livia.

83

dene Einzelköpfe wie der in Florenz (k), der bei Ca des (hh) und
zwei in der Sammlung Marlborough (x), um von dem zweifel-
haften des Mus. Worsleyanum (v)zu schweigen. — Schwerlich da-
gegen gehören hierher die angeblichen Brustbilder des August und
der Livia auf dem Sardonyx unbekannten Ortes bei Cades (kk).
Man könnte zwar glauben, der weibliche Kopf trage ausser dem
Schleier auch noch eine Stirnkrone; doch ist wohl nur der obere
Teil des Schleiers darunter gemeint. Eine Livia mit einer Stirnkrone
neben einem Augustus ohne Kranz und ohne alle Herrscherabzeichen
möchte kaum vorkommen. So ist man denn auf die Gesichtszüge
verwiesen und diese haben ein sehr neutrales Gepräge. Man wird
viel weniger an Augustus als etwa an die Drususbüste von Erbach
erinnert (vgl. Drusus jun. Fig. 37).

Livia1).

Livia Drusilla, geboren 57 v. Chr., war die Tochter des M.
Livius Drusus Claudianus, der sich bei Philippi den Tod gab, und
der Aliidia. Sie wurde frühzeitig mit ihrem Vetter Ti. Claudius Nero
verheiratet, dem sie zwei Söhne, den Tiberius und den Drusus gebar.
Aber noch bevor sie von Drusus entbunden war. veranlasste Octavian
ihre Scheidung und nahm sie an Stelle der kurz vorher verstossenen
Scribonia zu seiner Gemahlin (38 v. Chr.). Ihm selbst gebar sie keine
Kinder mehr.

Livia war eine ebenso schöne als bedeutende Frau2, an Ver-
stand und Klugheit allen weiblichen Gliedern des augusteischen
Hauses überlegen; dabei aber herrschsüchtig und ränkevoll, ein
Ulysses in der Stola, wie Caligula sie in der Leichenrede nannte,
und durch keine allzugrossen Gewissensscrupeln in der Verfolgung

1 Vgl. besonders H. K. E. Köhler: Memoire sur un camee du cab. Im-
perial 1810, in s. gesamm. Schriften V. p. 21 ff. Und J. Aschbach: Livia,
Gemahlin des Kaisers Augustus, in den Denkschriften der Wiener Akademie 1863.
Band XIII p. 29, mit 4 Tafeln. (Auch separat gedruckt).

2 Vellej. IL 75: Genere, probitaie, forma Bomarmrum eminentissima. Vgl.
Tac. Annal. V. 1: Exin Caesar cupidine formae aitfert marito.
loading ...