Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Seite: 373
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Gremma Claudia. Agrippina d. j.

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gängig wieder aufgegeben und durch andere, zum Teil ganz unglück-
liche , ersetzt worden. Arneth und Lenormant halten den oben er-
wähnten speciell ikonographischen Gesichtspunkt für entscheidend
und erkennen in den beiden Büsten zur Rechten Tiberius und Livia,
was auch Sacken und Kenner billigen. Mongez fasst sie als die Kinder
des Claudius, Britannicus und Octavia, ohne zu bedenken, dass es
sich dann wirklich um Kinder handeln müsste (Britannicus starb als
Knabe), und dass die harmlose Octavia gewiss die letzte Person ist, für
welche der Künstler die kriegerische Zier des Helmes gewählt hätte.
Aschbach endlich deutet mit gänzlicher Hintansetzung der ikonischen
Wahrscheinlichkeit die Büsten zur Linken als Tiberius und Livia
(unter deren Gestalt der Cybele), die zur Rechten als Germanicus
und seine Mutter Antonia.

Die Kaiserin Agrippina.

Agrippina die jüngere war die Tochter des Germanicus und der
älteren Agrippina, die Schwester des Caligula, die Mutter des Nero.

Geboren zu Köln oder im Trierischen, wahrscheinlich 15 nach
Christo \ wurde sie, kaum dreizehnjährig, von Tiberius mit dem laster-
haften Cn. Domitius Ahenobarbus vermählt, aus welcher Ehe Nero
entsprang. Unter Caligula lebte sie gleich ihren beiden Schwestern
in Blutschande mit ihrem kaiserlichen Bruder, bis derselbe erfuhr,
dass sie sich zugleich Andern hingab. Sie wurde daher verbannt und
erst unter Claudius wieder zurückgerufen. Nach abermaliger, nicht
sehr lange dauernder Ehe (mit Crispus Passienus) gewann sie den
Günstling Pallas und mit dessen Hilfe, bald nach Messalina's Sturz,
den verwittweten Kaiser selber, so dass. er gegen das Gesetz seine
verführerische Nichte heiratete (49); denn Agrippina war, wie Dio
ausdrücklich berichtet2, von grosser Schönheit. Als Gemahlin des
Claudius setzte sie die Adoption ihres Sohnes Domitius Nero und die

1 Zeit und Ort sind nicht ohne Schwierigkeiten zu bestimmen. Siehe Bergk
in den Jahrbb. d. Ver. der Altertumsir. im Rheinl. 57. 1876. p. 45 ff. und Mommsen
im Hermes 1878 p. 251 ff.

2 Dio LX. 31.
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