Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Page: 323
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Seine Gemahlin Caesonia.

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dem ganz fraglichen Bildnis mit der Strahlenkrone auf dem Berliner
Saphir (g) absehen, nur der Lorbeerkranz vor, dieser aber entschie-
den bei der Mehrzahl. Vom Eichenkranz findet sich keine Spur. Nackt
erscheint Caligula auf dem Cameo Wallmoden (1), auf der mir nicht
bekannten Paste des Azära (o) und in der eben erwähnten Figur des
grossen Pariser Cameo. Ob auch der nackte mit Tiberius gruppierte
Kopf (f) Caligula sei, bleibt dahingestellt.

Die Gemahlinnen und Schwestern des Caligula1.

„Ob Caligula seine Ehen schändlicher geknüpft oder aufgelöst
oder fortgesetzt habe, ist schwer zu entscheiden" 2. Schon im Jahre
33 hatte er die Junia Claudilla geheiratet, welche dann wahrschein-
lich im Jahre 36 starb. Im folgenden (seinem ersten Regierungsjahr)
führte er die Livia Orestilla, die Verlobte des C. Piso, zu deren
Hochzeitsgeleite er gekommen war, in sein Haus, um sie zwei Mo-
nate darauf wieder zu entlassen. Und ziemlich dasselbe Spiel wieder-
holte sich im Jahre 38 mit Lollia Paulina, Heftiger und anhaltender
liebte er seine vierte Frau CAESONIA, obgleich dieselbe bei ihrer Ver-
mählung (39 n. Chr.) schon Mutter dreier Töchter von einem andern
Manne und überhaupt weder schön von Gestalt noch jung, wohl aber
höchst ausschweifend und ausgelassen war8.

Auf diese letztere wird nun von Einigen das weibliche Bildnis
auf einer Münze von Karthago nova (abgebildet Taf. XXXIV, 4) ge-
deutet, das durch die Beischrift, ähnlich wie ein gewisser Liviatypus,
als Salus Augusta bezeichnet ist. Allein nach der Umschrift des
Caligulakopfs auf dem Revers muss man die Münze in ein früheres
Jahr als 39 versetzen, so dass es höchst zweifelhaft, ob jene Be-
ziehung zulässig. Es darf hinzugefügt werden, dass, selbst wenn diese
Schwierigkeit nicht bestände, man doch darauf verzichten müsste,
mit Hilfe eines so rohen Gepräges noch vorhandene Bildnisse der
Caesonia ausfindig zu machen. Ernst gemeinte Namengebungen sind
mir denn auch nicht bekannt. Die früher so genannte Caesonia in
Wilton House (Michaelis Anc. Marb. p. 679, 30) ist eine Büste
des dritten Jahrhunderts.

1 Vgl. Eckhel Doetr. 3ram. IL 6. p. 220 ff.

2 Suet. Cal. 25.

3 Suet. a. a. 0.
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