Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Page: 207
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G-emmen. Gattin und Kinder des Drusus. 207

und eine der Uffizien zu Florenz Nr. 57 (Dütschke Nr. 71) sind
höchst wahrscheinlich schlecht geratene Tiberiusköpfe.

Diesen Ablehnungen gegenüber mögen schliesslich noch ein paar
geschnittene Steine teils als sichere, teils als wahrscheinliche
Drususdarstellungen genannt werden:

a. Ein schöner Cameo im Altertumsmuseum von Parma
(2. Zimmer, Glasschrank links).

b. Ein ziemlich grosser in den Uffizien zu Florenz (Cameen
Nr. 103), wto nur der Oberkopf etwas höhere Proportionen hat.
4% Cent. hoch.

c. Ein Stein der Sammlung Marlborough (abg. Choix de
pierres gr. ant. du cab. Marlb. I. Taf. 11).

d. Ein anderer aus derselben Sammlung (oben p. 177 h)
scheint auf den Typus der zuletzt besprochenen capitolinischen Büste
zurückzugehen.

e. Mehr nur aus sachlichen Gründen wird auf den jüngeren
Drusus bezogen die behelmte Panzerfigur hinter Tiberius auf dem
grossen Pariser Cameo (Taf. XXX.); doch ist sie auch als Bildnis
mit dieser Benennung nicht unverträglich.

Die Familie des jungem Drusus.

Obgleich der Zustand unserer Quellen keine Handhabe darbietet,
um auch die Gemahlin und die Kinder des Drusus in den Bereich
ikonographischer Untersuchungen zu ziehen, so fügen wir doch die
hauptsächlichsten Notizen über ihr Leben bei, damit man sieht, um
was für Personen es sich eventuell handeln würde.

Drusus war mit seiner schönen l, nur etwa um 3 Jahre jüngeren
Base Livia oder Livilla, der Tochter des älteren Drusus und der
Antonia, der Schwester des Germanicus und des Claudius, vermählt
und hatte von ihr 3 Kinder, von denen ihn 2 überlebten, Tiberius
Gemellus und Julia. Aber Livia machte ihrer edlen Verwandtschaft
keine Ehre. Sie liess sich von Sejan zum Ehebruch und sogar zur
Vergiftung ihres Gemahls verführen (23 n. Chr.). Erst acht Jahre
später, beim Sturze des Sejan, erfuhr Tiberius durch des letzteren
Gemahlin Apicata das Verbrechen, worauf Livia den Hungertod starb

1 Taoit. Annal. IV. 3.
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