Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Page: 414
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414 Die Gemahlinnen des Nero.

Die Gemahlinnen des Nero.

Nero hatte nach einander drei Frauen, die Octavia, die Poppaea
Sahina und die Statilia Messalina, deren Köpfe alle, wenigstens ver-
einzelt, noch auf Münzen vorkommen; und so mag auch ihrer zum
Schluss mit einem Wort gedacht werden.

1. Octavia.

Octavia war die Tochter des Claudius und der Messalina, die
Schwester des Britannicus. Wenn sie, wie Tacitus sagt1, bei ihrem
Tode (62 n. Chr.) im zwanzigsten Lebensjahre stand, so muas ihre
Geburt ins Jahr 42 fallen, also ans Ende desselben Jahres, an dessen
Anfang Britannicus geboren war2. Schon in ihrem elften Jahre wurde
sie aus Staatsrücksichten mit ihrem Stiefbruder Nero vermählt (53).
Derselbe liebte sie nicht und wurde bald nach seiner Thronbesteigung
(54) von den Reizen anderer Weiber bestrickt. Ihre Ehe war daher
eine höchst unglückliche3. Zuerst Vernachlässigung und Abneigung
von Seite ihres Gemahls; dann Hass, niederträchtige Ränke und Mord.
Nach schon einmal verhängter und dann wieder aufgehobener Ver-
bannung gelang es den Intrigen der Poppaea, sie auf Grund der schnö-
desten Verleumdungen nach Pandataria zu entfernen und dort zu
töten (9. Juni 62). Sie starb, allgemein betrauert wegen ihrer
Jugend4 und ihrer Bescheidenheit5.

Dass sie trotz der Ungunst des Nero mit Standbildern oder
Büsten geehrt wurde, versteht sich bei ihrer Stellung von selbst. Wir
erfahren es auch ausdrücklich bei Anlass der Rückkehr aus ihrer
ersten Verbannung, da das Volk in demonstrativer Freude ihre Bild-
nisse durch die Strassen trug und mit Blumen bestreute6. Und ge-

1 Tao. Annal. XJV. 64.

2 Anders Rauch an dem bereits eit. Orte oben p. 370 Anm. 2.

3 Nuptiarum dies loco funeris fitit. Tac. Annal. XIV. 63.

4 Probitatis speetatae. Tac. Annal. XTTT. 12.

5 Octaviam, quamvis modeste ageret, nomine patris et studüs popiüi grmem.
Tac. Annal. XIV. 59.

6 Octaviae imagines gesternt humeris, spargunt floribus foroque ae templis
statutmt. Tac. Ann. XTV. 61.
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