Bernoulli, Johann Jacob
Römische Ikonographie (Band 2,1): Die Bildnisse der römischen Kaiser: Das julisch-claudische Kaiserhaus — Berlin, 1886

Page: 232
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2o2 Germanicus.

Charakter1, zu seinen Lebzeiten der erklärte Liebling des Volkes,
wie er später der der Geschichtschreiber geworden ist. Er erscheint
bei denselben gleichsam als die letzte noch von republikanischem
Schimmer umflossene Heldengestalt Korns2.

Was die Denkmäler und Bildnisse des Germanicus betrifft,
so entsprach ihre Zahl natürlich seinem Ruhm und seiner Popularität.
Er mochte in dieser Beziehung kaum hinter einem Kaiser zurück-
stehen. Tacitus hebt hauptsächlich nur diejenigen hervor, welche
ihm bei seinem Tode errichtet wurden 3: Ein Siegesbogen zu Rom4,
einer am Rheinufer, einer auf dem syrischen Berg Amanus mit der
Inschrift seiner Thaten und dass er für das Gemeinwesen gestorben
sei. Dann ein Grabmal zu Antiochia, wo er verbrannt worden, ein
Todtenhügel zu Epidaphne, wo er sein Leben geendigt hatte. Die
Bildsäulen und die Orte seiner Verehrung, sagt er, seien nicht zu
zählen gewesen5.

Numismatische und glyptische Hilfsmittel.

Münzen. — Die nicht eben zahlreichen Münzen mit dem Kopf
des Germanicus sind fast alle erst nach seinem Tode geschlagen
worden. Noch zu seinen Lebzeiten (18 n. Chr.), aber in Armenien,
ist der Denar geprägt, auf dessen Revers die Krönung des Königs
Artaxias dargestellt ist8, und dann die Mittelbronze, die ihn in ganzer
Figur zeigt, im Panzer die Truppen anredend7. Aber auf letzterer

1 Sueton Calig. 3: Omnes Germanica corporis animique cirtutes, et qitautas
nemini aliquant contigisse satis constat: formam et fortitudineni egregiam, ingenium
in utroque eloquentiae doctrinaeque genere praecellens, benicolentiam singulare)!/,
uoncüiandaeque hominimi gratiae ac promerendi amoris mirum et efficax Studium.
Formae minus congmebat gracilitas crurum, sed ea quoque paulatim repleta assidua
equi vectatione post cibum.

2 Neuere Beurteiler finden sowohl in seinem Verhalten dem Tiberius gegen-
über als in seiner Kriegführung Manches zu tadeln. Sie werfen ihm bald Mangel
an Energie und Selbständigkeit (Haakh in Paulys Realenc. 3. p. 847), bald Eigen-
mächtigkeit und unnötige Offensivpolitik vor (Schiller Gesch. d. röm. Kaiserzeit I.
p. 258 ff. Vgl. Mommsen Röm. Gesch. V. p.. 50)-, sein \Tater sei entschieden der
grössere Feldherr gewesen.

3 Tacit. Annal. II. 83.

4 Ohne Zweifel zu unterscheiden von dem kurz vorher beim Tempel des
Mars errichteten (arcus cum effigiej. Tac. Ann. II. (»4.

5 Die inschriftlichen Erwähnungen seiner Denkmäler sind verzeichnet bei
Schiller Gesch. d. röm. Kaiserzeit I. p. 276. Anm. 3.

* Cohen I. p. 225 Nr. 6.

5 Cohen ibid. 2s r. 7; Lenormant Icon. X. 17.
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