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Heft 9. _ IliufUrrte Fnmrlren-Dertung. Mrg. 189Z.


In Ewigkeit.
Roman
von
Woldrmar Urban.
(Fortsetzung.)
(Nnchdruck verboten.)
Werinzehntes Kcrpitek.
s war gegen elf Uhr desselben Abends. Con-
tessa Zisa di Tirelli saß in ihrem Boudoir
und war beschäftigt, ihre Augenwimpern, die
doch schon von Natur sehr schön und ausdrucks-
voll waren, mit einem Pinsel zu übermalen
und zu verlängert:, dann die feinen Aeder-
chen an den Schläfen durch ganz matte blaue
Linien zu markiren. Auf ihrem Toilettetisch
stand eine Menge Töpfe und Töpfchen, lagen
Schminkläppchen und Pinselchen, und sie hantirte mit
diesen Gegenständen mit einem Geschick und mit einer-
künstlerischen Meisterschaft, wie sie in dieser Hinsicht
eben nur die Römerin erreicht. Ihre Mutter sah dabei
ruhig zu.
In Rom hält man eben solche Toilettenkünste der
jungen Damen nicht nur für vollständig unbedenklich, son-
dern in großer Gesellschaft und besonders bei greller, künst-
licher Beleuchtung für geboten und nothwendig. Es er-
klärt sich das wohl damit, daß der blasse, namentlich bei
künstlicher Beleuchtung wirkungslose Teint der Römerin
kräftig genug ist, um eine solche Aufbesserung zu ertragen.
Contessa Zisa war durchaus nicht gefallsüchtig oder raffinirt,
sie befolgte eben nur das Beispiel, das ihr überall gegeben
wurde, und blieb trotz der Schminke die naive, rührend
unschuldige, süß träumende und hoffende Seele, die sie
immer gewesen.
„Ich begreife Dich nicht, Zisa," schalt ihre Mutter.
„Was meinst Du denn, Mutter? Was begreifst Du
nicht?" fragte sie naiv zurück.
„Jahrelang mit diesem Alessandro d'Artignano her-
umzusponsiren, Dich von ihm herumführen zu lassen wie
ein Hündchen — das läßt Du Dir Alles gefallen, als ob
das so sein müßte."
„Ist Alessandro nicht ein hübscher Mann, Mutter?"
„Meiner Ansicht nach ist nie ein langweiligerer Peter
in Rom groß geworden, wie er, und das will viel sagen,
denn Rom steht schon manches Jahr. Aber das sind Ge-
schmackssachen. Ich will davon noch nicht einmal etwas
sagen. Aber er wird Dich noch kompromittiren. Das
sehe ich kommen. Er wird Dich in der Leute Mäuler
bringen. Er ist solch' ein Waschlappen, der weder ja noch
nein sagen kann. Ha! mir sollte er kommen! Ich wollte
ihm schon dis Wege weisen."
Zisa lächelte bei der polternden Art ihrer Mutter-
leicht. Aber sie mußte sich doch sagen, daß ,diese in einer
Hinsicht Recht hatte. Warum erklärte sich Alessandro
nicht? Sie waren ja schon seit Jahr und Tag einig,
warum machte er keine Anstalt zur Verlobung und Hoch-
zeit? Zisa war doch schließlich auch kein Backfisch mehr,
sondern zählte einundzwanzig Jahre.
„Wenn Alessandro im vorigen Herbst nicht verwundet


Sepp als KindsrvärLer. Nach einem Gemälde von M. Budinski. (S. 215)
 
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