Weber, Paul [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 5): Kreis Herrschaft Schmalkalden: Textband — Marburg, 1913

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Bevölkerung.

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täler, in denen die Ackerkrume die Menschen nicht zu ernähren vermag, gar nicht möglich gewesen.
Das Eisen darf hier geradezu als Ausgangspunkt der Besiedlung bezeichnet werden.
Bergbau und Verarbeitung des Erzes geben den wirtschaftlichen Verhältnissen fast des
ganzen Kreises noch heute das Gepräge und die „Stahlgewerken" zu Schmalkalden waren und sind
für die Geschichte der Stadt und des Kreises von ebenso großer Bedeutung, wie die Waffenschmiede
im benachbarten Suhl bis auf den heutigen Tag.
Die meisten der Gebirgsdörfer leben fast ausschließlich von der Verarbeitung des Eisens.
Vom frühen Morgen bis zum späten Abend steht hier der Kleinfeuerarbeiter an seinem Amboß
oder Schmiedeherd. Metallfabriken sind fast in allen Ortschaften vertreten.
Von der Bodenfläche entfallen 28°/0 auf Ackerland, 13°/0 auf Wiesen, 56% auf Wald.
An Feldfrüchten werden gebaut Roggen, Kartoffeln und Hafer; Gerste und Weizen nur wenig.
Je höher hinauf, desto mehr überwiegt die Kartoffel. Der Anbau reicht zur Ernährung bei weitem
nicht aus, es findet beständige Einfuhr von Nahrungsmitteln statt.
Die Rindviehhaltung geht infolge der Hute-Ablösung und anderer Umstände zurück, ist
aber immer noch verhältnismäßig hoch, die Ziegenhaltung nimmt zu.

Die Bevölkerung.
Von den Bewohnern leben mehr als 60% von der Industrie und dem Gewerbe, etwa
15% von der Landwirtschaft, wobei außerdem noch in Betracht kommt, daß viele der gewerb-
lichen Arbeiter die Landwirtschaft als Nebengewerbe betreiben. 40% der Erwachsenen ent-
fallen allein auf die Metallverarbeitung. Die Holzbearbeitung, welche die Holzteile zu den Klein-
eisenwaren liefert, umfaßt mit dem Baugewerbe 14% der Bevölkerung.
Der Kreis zählt in seiner heutigen Ausdehnung:
1 Stadt; Schmalkalden,
37 Landgemeinden: Altersbach, Asbach, Aue, Auwallenburg, Barchfeld, Bermbach, Breiten-
bach, Brotterode, Elmenthal, Fambach, Floh, Grumbach, Haindorf, Helmershof, Herges-Hallen-
berg, Herges-Vogtei, Herrenbreitungen, Heßles, Hohleborn, Kleinschmalkalden, Laudenbach,
Mittelschmalkalden, Mittelstille, Näherstille, Oberschönau, Reichenbach, Rotterode, Schnellbach,
Seligenthal, Springstille, Steinbach-Hallenberg, Struth, Trusen, Unterschönau, Volkers, Wahles,
Weidebrunn.
5 Gutshöfe: Beierode, Kirrhof, Nüßles, Todenwarth, Wolfsberg.
Charakteristisch für die Art der Siedlung sind die vielen Einzelhöfe, deren es früher noch
viel mehr waren, wie aus dem späteren Abschnitte über Wüstungen zu ersehen ist. (Vgl. die Karte.) Tafel
Im übrigen sind die Dörfer, soweit sie älteren Ursprungs sind, sämtlich Haufendörfer, die
späteren meist Straßendörfer. Ein Unterschied zwischen fränkischer und thüringischer Siedlungsart
ist hier nicht zu erkennen.
Als älteste Bewohner nimmt man Chatten und Cherusker an, später drangen Hermunduren
und Franken ein. Ob auch Keltentum kulturell und sprachlich (in den Flur-, Wasser-, Ortsnamen)
in Betracht kommt, wäre eingehender Untersuchung wert. Schmalkalden und Steinbach haben
fränkische Mundart und Sitte. In allen Ortschaften aber hat der Dialekt etwas Schnarrendes,
was ihn deutlich von dem jenseits des Thüringer Waldes unterscheidet. Für den Fremden ist er
nicht leicht verständlich.
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