Weber, Paul [Editor]
Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel (Band 5): Kreis Herrschaft Schmalkalden: Textband — Marburg, 1913

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Haustüren. Wappen. Hausmarken.

Von Haustüren aus späterer Zeit sind abgebildet:
Aus der Barockzeit die am Wechmarschen Hause (Entenplan 3) mit dem von Löwen
Tafel 189,3 gehaltenen Wechmarschen Wappen und einem bemerkenswerten Türklopfer, und aus der Rokoko-
Tafel I89,i zeit die von Stillergasse 11 mit hübsch geschnitzter Schlagleiste, und Reiherstor 4, mit einem
Tafel 189,4 Bergmann auf der Schlagleiste.
Tafel 189,2 Die Haustür am Stengeischen Hause (Schmiedhof 19) hat einen zierlichen Schlußstein
aus der Rokokozeit, darüber ein Oberlicht aus der Renaissance. Das Hessenwappen darüber
stammt von 1721.
Sonstige bemerkenswerte Haustüren sind nicht vorhanden.
Die Vorliebe für ganz schlichte gotisierende Fenstergewände, der wir am Schloß und
seinen Nebengebäuden im 16. und 17. Jahrhundert begegneten, findet sich die ganze Renaissance-
Tafel 177,lu.a zeit hindurch auch an den Bürgerhäusern wieder. Nur ein einziges Beispiel für reichere Aus-
schmückung ließ sich feststellen (Lutherplatz 1). Ebenda auch ein reicher geschmückter Kragstein.
An Wappen, Hausmarken und Inschriftsteinen scheint früher recht viel vor-
handen gewesen zu sein. Einiges ist ins Henneberger Museum gerettet. Außer den bisher schon
in den verschiedensten Kapiteln erwähnten sind noch zu nennen:
Wappen der Familie Steitz, gute Renaissancearbeit, Hoffnung 19.
Daneben ein ehemalig Rödersches Freihaus (jetzt Brandstelle), wovon figurierter Schluß-
stein von 1667 in der Mauer eingesetzt.
Tafel l86,3u.4 Kleines Steinwappen der Familie Wilhelm von 1538 am Lutherhause, darunter eine Rund-
marke, eingefaßt von drei Kanonenkugeln.
Tafel 186,b Zöllnersches Wappen von 1581 am Stengeischen Hause, Schmiedhof 19.
Tafel 186,6 Hausmarke und Frauenkopf in Stein gehauen als Eckquader, Lutherplatz 2.
Tafel 186,7-18 Hausmarken der Barock- und Rokokozeit in Stein, Holz, Stuck und Malerei an ver-
schiedensten Häusern und auf den Pfeilern von Gartentoren.
Tafel l70,i Von geschichtlichem Interesse ist das große steinerne Hessenwappen am Gasthof
zur Krone von 1695, zur Erinnerung an die Schmalkalder Tagungen gestiftet, deren Sitzungen
zum Teil in dem Gasthofe zur Krone stattfanden. Nachdem das einst so interessante alte Fach-
Tafel 184 werkhaus (vgl. die frühere Erscheinung auf Tafel 184) aller seiner alten Schönheiten entkleidet
Tafel 181,2 worden und in ganz verkümmerter Gestalt auf das 19. Jahrhundert gekommen war (vgl. die
Bickellsche Aufnahme von 1890, auf der übrigens die starken gotischen Knaggen beachtenswert
sind), ist an dem seither entstandenen Neubau dieses Steinrelief das einzige, was an die geschicht-
liche Bedeutung des Hauses noch erinnert1). Darunter ein Blechschildchen mit der Inschrift:
„Dem Andenken Dr. Martin Luthers gewidmet von der Stadt Schmalkalden am 31. Oktober 1817."
Tafel 170,2 Die große Erinnerungstafel am Lutherhause ist eine geschickte Spätrenaissance-
arbeit, wohl von demselben Gipser, der die schöne Decke im Innern schuf (vgl. weiter unten).
Zuoberst die Hausmarke des Reinhold Stiefel, der von 1637 an Besitzer des Hauses war, daneben
das Wappen Luthers und Melanchthons, darunter die Unterschrift:
VERSAMMLVNGS HAVS DER EVANGEL.
STAENDE: V. THEOLOGEN BEI VER:
FERTIGVNG DER SCHMALKALD :
ARTICVL ANNO: MDXXXVII:

1) Das alte Wirtshausschild mit der Krone jetzt im Innern aufgehangen, abgebildet auf unserer Tafel 14, 3.
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