Braun, Joseph
Handbuch der Paramentik — Freiburg i. Br., 1912

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Erster Abschnitt.
Allgemeines.

Erstes Kapitel.
Die Paramentenstoffe.

I. Seide.

x. Die Seide als Paramentenstoff. Seide wurde, wie wir
namentlich den Inventaren entnehmen, seit alters mit Vorzug zur An-
fertigung bestimmter Paramente verwendet; selbst im Norden, wie die
Inventare von St-Riquier und die Statuten Rikulfs von Soissons (889)
beweisen, der seinen Priestern ausdrücklich vorschrieb, es solle jeder für
die Messe eine seidene Kasel vorrätig halten. Immerhin beruhte die
Verwendung von Seide mehr auf Brauch und Herkommen als auf for-
mellen Vorschriften. Finden wir doch selbst in den Inventaren von
St Peter zu Rom aus dem 14. und 15. Jahrhundert z. B. Kasein aus
Leinen und in einem Inventar des Apostolischen Stuhles von 1329 eine
solche aus Baumwolle. Erst das 19. Jahrhundert hat ausgiebigere Be-
stimmungen über den ausschließlichen Gebrauch von Seide bei gewissen
Paramenten gebracht und Zeuge aus Wolle, Leinen und Baumwolle von j
denselben ausgeschlossen'. Für welche Paramente Seide gebraucht
werden muß, wird bei Behandlung der einzelnen Paramente angegeben
werden.

Wo seidene Stoffe vorgeschrieben sind, können auch Gold- und
Silberstoffe verwendet werden, ausgenommen natürlich solche Gold-
stoffe, bei welchen als Fond und zum Abbinden der Goldfäden bloß
Baumwolle gebraucht ist und die Goldfäden keine Spur von Gold an
sich haben, sondern lediglich aus in Zinkdämpfen oxydiertem Kupfer be-
stehen (sog. Leonisches Gold), Stoffe, die überhaupt sich mehr für Karne-
valszwecke oder für Theaterkostüme als für Paramente eignen.

Halbseidene Stoffe, d. h. Stoffe aus Seide und Wolle (Imperialstoffe),
Seide und Leinen (Serolinstoffe), Seide und Baumwolle, können dann

1 Monitum der Ritenkongregalion vom 28. Juli 1881 in Acta S. Sedis XIV 144
und Decreta auUicnüca Congr. SS. Rituum edita sub auspiciis SS. N. D. Leonis PI'. XIII
(Komac 1S9S ff) n. 2769 3779.
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