Braun, Joseph
Handbuch der Paramentik — Freiburg i. Br., 1912

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210 Dritter Abschnitt. Die Paramcnte des Altars, der hl. Gefäße u. der Kirche.

Paramente und damit den Abschluß der Entwicklung bringt das ausgehende
Mittelalter.

Den Zeitpunkt der Einführung der einzelnen Paramente festzustellen,
ist mangels genügender Nachrichten meist leider nicht möglich. Sind
schon die Angaben, welche wir über die liturgischen Gewänder in älterer
Zeit erhalten, im ganzen nichts weniger denn reichlich, so gilt das noch
viel mehr von den uns im folgenden beschäftigenden Paramcnten.
Während aber in Bezug auf jene die Monumente immerhin einen gewissen
Ersatz für die mangelnden schriftlichen Quellen bieten, ist solches für
diese bis in die nachkarolingische Zeit hinein leider nur in sehr be-
schränktem Maße der Fall. Erst seit dem zweiten Jahrtausend fangen die
Bildwerke an, uns mehr von ihnen zu erzählen.

Die formelle Umbildung, welche die in den nachfolgenden Abschnitten
zu behandelnden Paramente im Laufe der Zeit erfuhren, war nie von
einschneidender Bedeutung. Eine Entwicklung, wie sie z. B. mit der
Mitra, der Kasel, der Dalmatik vor sich ging, hat sich bei keinem von
ihnen vollzogen. Es waren nur unwesentliche Veränderungen, die sie
erlitten, Veränderungen in Bezug auf die Maße, auf die Art der Orna-
mentation und ähnliches, bei denen jedoch das Gesamtbild stets das gleiche
blieb. Ganz außer Gebrauch kamen im Laufe der Zeit nur wenige Stücke,
so besonders die Altarvelen.

Zweites Kapitel.
Die Paramente des Altars und Tabernakels.

I. Das Altartuch.

i. Heutiger Brauch. Das Missale schreibt in den allgemeinen
Rubriken vor, es müsse der Altar mit drei Tüchern aus reiner
Leinwand bedeckt sein1. Das oberste Tuch soll so lang sein, daß es
an den beiden Schmalseiten der Platte bis nahe an den Boden reicht2,
doch gilt das natürlich nur von Altären, die an den Seiten freistehen.
Die beiden unteren Tücher, welche aus derberer Leinwand gemacht sein
können, sollten möglichst die ganze Mensa bedecken, es darf aber statt
der beiden ein einziges, welches doppelt gefaltet ist, gebraucht werden.

Die Breite des Altartuches wird für gewöhnlich zwischen 70—90 cm
schwanken. An der Eront läßt man es ein wenig Überhangen. Zur
Verzierung des Altartuches dienen Spitzen, Einsätze und Stickereien.
Spitzen und gestickte Bordüren sollen an den Schmal- oder
Kopfseiten, an denen sie sehr empfehlenswert sind, nur mäßig breit sein,
da sonst ihre vortreffliche Wirkung ins Gegenteil verkehrt wird. An der

1 Ruhr, general. tit. XX ; Decr. auth. n. 2600, Dccr, gen.
* Ebd. n. 4029 ad 1.
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