Braun, Joseph
Handbuch der Paramentik — Freiburg i. Br., 1912

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108 Zweiter Abschnitt. Die liturgische Gewandung.

Mittelalters nachweisen. Spitzen fanden eine ausgiebigere Verwendung
bei ihm erst im 17. Jahrhundert, als die Spitzenindustrie einen bedeuten-
deren Umfang angenommen hatte und namentlich auch billigere Spitzen
hergestellt wurden; im 16. Jahrhundert wurden sie noch wenig zur Ver-
zierung des Superpelliceums gebraucht.

3. Symbolik. Eine symbolische Deutung fand das Superpelliceum
schon bei Anselm von Havelberg (f 1158) und Gerhoh von Reichers-
berg (t 1169), die aber bei ihrer Auslegung vornehmlich das außerliturgische
Superpelliceum der Augustiner-Chorherren im Auge hatten. Am aus-
giebigsten läßt sich über die Symbolik des Gewandes Durandus aus. Es ist
nach ihm wegen seiner weißen Farbe Sinnbild der Keuschheit im be-
sondern, doch auch der. Unschuld überhaupt, und mahnt darum den
Kleriker, der es trägt, sich alle Tage des Lebens eines schuldlosen
Wandels zu befleißigen Weil weit, symbolisiert es die alles umfassende
Gottes- und Nächstenliebe, die seinen Träger beseelen soll. Der Umstand,
daß es über die Alltagskleider, dem Symbol der sündigen Menschheit, an-
gezogen wird, bedeutet nach Durandus, daß die Liebe die Menge der
Sünden bedeckt. Die Kreuzesgestalt, welche es bei ausgebreiteten Ärmeln
hat, mahnt, sagt er, an Christi Kreuz und Leiden und fordert den, der
mit ihm bekleidet ist, auf, auch sich mit allen Fehlern und Gelüsten
zu kreuzigen.

Drittes Kapitel.
Die Obergewänder.

I. Die Dalmatik und die Tuniceila.

1. Heutiger Brauch. Dahnatik und Tunicella sind Obergewänder,
und zwar Obertuniken, wenngleich sie streng genommen nur noch in
Italien als wirkliche Tuniken erscheinen. Denn wenn auch dort die
Seiten des Gewandes bis zu den Ärmeln aufgeschlitzt sind, so bleiben diese
letzteren doch im Gegensatz zum deutschen, franzosischen, spanischen,
kurz zum außeritalienischen Brauch geschlossen (Bild 54 u. 55). Ursprüng-
lich waren Dalmatik und Tunicella in Bezug auf Form und Beschaffenheit
voneinander verschieden, und noch das römische Caercmoniale bestimmte,
es sollte die Tunicella etwas engere und längere Ärmel haben als die
Dalmatik; allein heute wird ein Unterschied zwischen beiden Gewändern
kaum mehr gemacht, nicht einmal hinsichtlich der Weite und Länge
der Ärmel.

Die Verzierung der Dalmatik und Tunicella besteht außer in einem
Saumbesatz der Ärmel bzw. der durch das Aufschlitzen derselben ent-
standenen Ärmellappcn in zwei sowohl vorn wie rückwärts aufgesetzten,
für die beiden Gewänder besonders charakteristischen Vertikalstreifen,
die entweder hart am Kopfdurchlaß (franzosischer Typus) oder vor der
Brust bzw. mitten auf dem Rücken (deutscher Typus) oder endlich unten
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