Braun, Joseph
Handbuch der Paramentik — Freiburg i. Br., 1912

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Dritter Abschnitt.

Die Paramente des Altars, der heiligen Gefäße
und der Kirche.

Erstes Kapitel.
Allgemeines.

Wie in Bezug auf die liturgische Gewandung, so hat es auch hin-
sichtlich der zahlreichen übrigen Paramente eine Entwicklung gegeben.
Sie offenbarte sich vornehmlich in der Aufnahme neuer und in der Be-
reicherung des bereits vorhandenen Bestandes, minder dagegen — anders
wie bei den liturgischen Gewändern — in der weiteren Ausgestal-
tung und der formellen Umbildung der Paramente. Über den Stand der
Dinge in vorkonstantinischer Zeit sind wir ohne Nachrichten. Für ge-
wöhnlich wird sich damals — namentlich in den zwei ersten Jahr-
hunderten — die Zahl der hier in Frage stehenden Paramente auf einige
wenige zur Ausstattung des Altares und zur geziemenden Vornahme der
Liturgie unentbehrliche Stücke beschränkt haben: das Altartuch, das wohl
zugleich Korporale war, die Tücher zum Einsammeln der Oblaten und
die zu der Ablution der heiligen Gefäße erforderlichen Tücher. Para-
mente zur Ausschmückung der gottesdienstlichen Versammlungsräume
dürften nur da zur Verwendung gekommen sein, wo es ständige Üra
torien gab, sei es in Privathäusern, sei es in Gestalt besonderer, wenn
auch nicht öffentlich als Oratorien anerkannter Bauten.

Die nachkonstantinisehe Zeit betätigt sich bis tief in das zweite Jahr-
tausend hinein vor allem in der Sorge für eine reiche Verzierung des
Altares und des Gotteshauses. Der Altartisch erhält seine Bekleidung;
um den Altartisch bringt man, wie um ein Allerheiligstes zu schaffen,
Velen an, welche ihn wie ein Zelt umgeben; die Wände bekommen ihre
Behänge, der Fußboden seine Teppiche, der Ambo seine Decken, die
Arkaden ihre Draperien, die Portale ihre Vorhänge. Seit dem zweiten
Jahrtausend geht dann der Zug in stärkerem Maße dahin, auch für die
liturgischen Funktionen und das gottesdienstiiehe Gerät neue Paramente
zu schaffen, während die Sorge, Kirche und Altäre mittels Paramente
auszustatten, infolge des Bestrebens, sie mit reicherem plastischen oder
malerischen Dekor zu versehen, etwas zurücktritt. Die letzten neuen

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