Braun, Joseph
Handbuch der Paramentik — Freiburg i. Br., 1912

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58 Erster Abschnitt. Allgemeines.

beim Gottesdienst für die Verstorbenen sowie da, wo man am Feste
der Unschuldigen Kinder sich schwarzer Paramente bedient, sieht er
durch das Schwarz die Trauer symbolisiert.

Für die Verwendung von Violett hat Innozenz keine mystische
Deutung, sondern begnügt sich damit, es als Nebenfarbe und als Ersatz
für Schwarz zu bezeichnen. Durandus gibt als Grund, weshalb man sich
an gewissen Tagen — es sind die vorhin an erster Stelle genannten —
des Violett bediente, den Umstand an, daß es trüb und ahnlich der Farbe
einer blutunterlaufenen Stelle erscheine. Vom demütigen Veilchen hören
wir bei der Ausdeutung des Violett kein Wort, auch nicht im späten Mittel-
alter; an das Veilchen zu erinnern, war erst unserer Zeit vorbehalten.
Freilich mit Unrecht; denn die Demut war es nie, welche das Violett ver-
sinnbildete, auch nicht, wo es früher Brauch war, an den Festen von Be-
kennern und heiligen Frauen violette Paramente zu benutzen. Vielmehr
waren solche zu aller Zeit nur Ausdruck der Buße und Trauer, der Sühne
und Wettentsagung. Sehr lehrreich für die Entstehungsgeschichte des
Farbenkanons ist die Weise, wie Innozenz III. das Grün begründet. Vom
Grün der Hoffnung und ahnlichen mehr oder weniger poetischen Gedanken
findet sich in seinen Ausführungen keine Spur. Grün braucht man viel-
mehr, so beiehrt er uns, quia viridis color medius est inter albedinem et ui-
gredinem et ruborem. Innozenz will sagen: F,s gibt Tage, die keinen so
scharf ausgeprägten Charakter haben, daß für sie Weiß, Rot oder Schwarz
paßte. Man nimmt daher an ihnen ganz entsprechend eine Farbe, die,
was Farbenwert und Stimmung anlangt, in der Mitte zwischen Weiß, Rot
und Schwarz steht, d. i. Grün. Diese Erklärung klingt etwas weniger
poetisch als andere, die wir wohl bei heutigen Liturgikern finden, sie
gibt jedoch ohne Zweifel die richtige Veranlassung an, welche dem Grün
Aufnahme in den liturgischen Farbenkanon verschaffte. Allerdings läßt
sich auch auf Gelb anwenden, was Innozenz uns vom Grün sagt. In-
dessen bemerkt derselbe ja ausdrücklich, daß wirklich Gelb hie und da
als Nebenfarbe und als Ersatz von Grün galt.

Viertes Kapitel.
Die Symbolik der Paramente.

i. Die Symbolik bei den Liturgikern. Die Symbolik der
verschiedenen Paramente wird bei jedem einzelnen derselben, soweit über-
haupt mit ihm eine symbolische Bedeutung verknüpft wurde und wird,
behandelt werden. Hier kann nur ein Überblick über die Geschichte
der mystischen Deutung, welche den liturgischen Paramenten, vor allem
den liturgischen Gewändern zu teil wurde, und eine kurze Charakteri-
sierung ihrer verschiedenen Arten in Frage kommen. Die Altarlücher
bzw. das Korporale haben schon in altchristlicher Zeit ihre Symbolik.
Der erste Versuch einer mystischen Auslegung der liturgischen Gewan-
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