Braun, Joseph
Handbuch der Paramentik — Freiburg i. Br., 1912

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Zweites Kapitel. Die Untcrgewunder. III. Die Albe.

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besessen hätte, hören wir bei den Diakonen, Snbdiakonen und Lektoren
nichts. Jedenfalls gab es indessen auch schon vor Einführung des
römischen Brauches im gallikanischen und spanischen Ritus eine solche
bei den Priestern und Bischöfen. Gebraucht wurde die Albe im 8. Jahr-
hundert zu Rom von allen Klerikern, und so wurde es darum auch
infolge der Annahme des römischen Ritus außerhalb Roms üblich. Die
Albe erscheint seitdem allenthalben als Gewand, das keinem der am
Gottesdienst beteiligten Geistlichen fehlen durfte. Erst im späteren Mittel-
alter erfolgte hierin insofern eine Änderung, als der Gebrauch der
Albe sich damals beim Priester auf die Messe zu beschränken be-
gann, indem sich für die andern Funktionen bei ihm das Superpelliceum

einbürgerte, und daß namentlich dieses letztere an Stelle der Albe das
eigentliche Amtskleid der Minoristen wurde.

Interessant ist und Erwähnung verdient, daß im Mittelalter, und zwar
wohl schon im 9. Jahrhundert, sicher aber bereits Ende des 10., in
manchen Klöstern von der Regel des hl. Benedikt, namentlich bei den
Clunia/.ensem, an Festtagen nicht bloß die am Gottesdienst beteiligten
Kleriker, sondern überhaupt alle, die im Chore saßen, Alben trugen.

Über die genaue Form der Albe oder liturgischen Untertunika er-
fahren wir vor dem zweiten Jahrtausend nichts. Was wir aus den vor-
und nachkarolingischen Bildwerken herauslesen können und was uns die
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