Bröndsted, Peter Oluf
Reisen und Untersuchungen in Griechenland: nebst der Darstellung und Erklärung vieler neu entdeckter Denkmäler griechischen Styls, und einer kritischen Übersicht aller Unternehmingen dieser Art, von Pausanias bis auf unsere Zeit (Band 2) — Paris, 1826

Page: IX
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/broendsted1826bd2/0012
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
VORREDE.

Die Untersuchungen über den Parthenon und über viele mit diesem erhabenen
Gegenstande verbundene Ortlichkeiten und Denkmäler, welche den grössten
Theil der gegenwärtigen Schrift ausmachen und noch einige Bogen des fol-
genden dritten Buchs in Anspruch nehmen müssen, wurden vor etwa acht-
zehn Jahren in Athen begonnen, seitdem niemals ganz ausser Acht gelassen,
und endlich, hier und in London (wohin die wichtigsten Bildwerke, die noch
vom Parthenon übrig sind, haben wandern müssen) zu demjenigen Grade
von Einsicht, den ich in dieser Sache zu erlangen hoffen darf, gebracht und
schriftlich entwickelt. Gleichzeitig mit mir beschäftigte sich mein Freund und
Gefährte R. Cockerellmit demselben Gegenstande, und es entstand wiederum,
so wie früher, unter uns ein gegenseitiger, bald persönlicher, bald schrift-
licher, oft sehr lebhafter Austausch von Ideen und Meinungen, der weder
seinen noch meinen Studien geschadet, und die Sache selbst, ich glaube um
vieles gefördert hat.

Was mich aber eben so sehr, als die thätige Theilnahme eines genialen und
sehr lieben Freundes, bewogen hat meine Untersuchungen über den Parthe-
non, die für eine spätere Abtheilung meines Werks bestimmt waren, jetzt zu
fördern, und was mir keine Ruhe liess irgendetwas Anderes aus meinen Samm-
lungen zu bearbeiten, bevor ich nicht Alles den Parthenon betreffendes würde
aufgestellt haben — diess war ein stätes und lebhaftes Gefühl von der Wich-
tigkeit gerade dieses Gegenstandes und von seinem Einflüsse auf sehr vieles,
was noch nicht entschieden oder erkannt ist, was aber für Jeden, der in der
griechischen Vonvelt mit seinem Sinnen und Trachten gerne lebt, einen
fast unwiderstehlichen Reiz hat.

Denn es giebt zu unserer Zeit kein griechisches Bauwerk — und ich muss
fast bezweifeln dass es jemals eins gab—das uns über den grossartigen Sinn
der Hellenen, und über den, diesem Volke angebornen Takt des IVahren und
Schönen, woraus, zu der besten Zeit ihres politischen Lebens, aller Schmuck
ihrer grossen religiösen Bauwerke entstand, besser und gründlicher, als gerade
der Parthenon, belehren könnte; und es giebt zuverlässig keine Trümmer
loading ...