Münzenhandlung Adolph Hess Nachfolger <Frankfurt, Main> [Editor]; Adolph E. Cahn <Frankfurt, Main> [Editor]
Die Gold- und Silbermünzen der Römischen Republik bis 15 v. Chr.: Sammlung Justizrat Dr. jur. et phil. h. c. Ernst Justus Haeberlin ; die Versteigerung findet im Auftrage der Besitzer statt: 17. Juli 1933 — Frankfurt a.M., 1933

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ERNST JUSTUS HAEBERLIN

wurde geboren in Frankfurt am Main am 19. Juni 1847. Er stammte aus einer
alten alemannischen Familie, die seit 1765 in Frankfurt ansäßig war. Sein Vater,
Dr. jur. Conrad Hieronymus Haeberlin (1800 — 1871) vererbte ihm
neben vielen und reichen geistigen Anlagen, neben dem sicheren Sinn für Recht
und Unrecht, auch das Interesse an der Antike, vor allem an den Münzen, die
er selbst schon seit früher Jugend gesammelt hatte. Ernst Justus besuchte von
1857 bis 1867 das Frankfurter Gymnasium und zeichnete sich in den oberen
Klassen durch Fleiß, Ehrgeiz und einen schon damals wissenschaftlichen Eifer,
besonders in den philologischen und naturgeschichtlichen Fächern aus. Dann
studierte er die Rechtswissenschaften in Heidelberg und Berlin, bestand 1870
seine Doktorprüfung, 1875 das Staatsexamen. In seiner Jugendzeit galt sein
Hauptinteresse der Bergwelt; noch heute hat sein Name in der Alpinistik den
guten Klang, den er sich durch zahlreiche Erstbesteigungen in den Ostalpen
errang. Dieser Sinn für alle Erscheinungen der Natur blieb ihm bis an sein Le*
bensende wach: wer heute durch die Arbeitszimmer des Verstorbenen geht,
wird die vielen schönen Kristalle und Gesteine, die er gesammelt hatte, be-
wundern und die bedeutenden und wertvollen naturwissenschaftlichen Schrif*
ten seiner Bibliothek. Sein Interesse an Münzen erwachte in den Siebziger Jahren
durch die bedeutende Münzsammlung, die ihm sein Vater hinterlassen hatte;
sie war damals schon sehr umfangreich und enthielt den Grundstock der hier
katalogisierten Abteilung, nämlich römische Silbermünzen. Haeberlin erwei*
terte sie schnell und dehnte sie auf andere Gebiete aus, vor allem auf das rö-
mische Schwerkupfer. In kurzer Zeit ergriff er auch die wissenschaftlichen
Probleme, die sich dem Betrachter bei jedem einzelnen Stücke aufdrängen. Das
Jahr 1884 brachte ihn mit Max von Bahrfei dt zusammen, mit dem ihn bis
zu seinem Tode eine Freundschaft verband, bei der sich beide Teile durch den
beständigen Austausch ihrer Forschungen wechselseitig befruchteten. Mit von
Bahrfeldt machte er dann seine großen numismatischen Reisen, vor allem nach
Italien, bei denen nicht nur die Sammlungen, sondern auch die Wissenschaft*
liehen Erkenntnisse wesentlich gefördert wurden. Das weitere Leben Haeber*
lins war bis zum äußersten erfüllt : eine umfangreiche Anwaltspraxis, die allein
zur Ausfüllung eines Lebens genügt hätte, seine Verpflichtungen in den ver*
schiedensten Vereinigungen, dem Alpenverein, dem physikalischen Verein, und
vielen anderen — für die Münzen blieben nur die Nachtstunden. In diesen
Nachtstunden entstanden die ersten wissenschaftlichen Studien, meist typen*
geschichtliche Arbeiten, dann auch Versuche, die sein Hauptwerk ankündigten:
sein „Aes grave", das 1910 erschien"). Es erübrigt sich, auf diesWerk und seine

*) Eine Bibliographie findet sich im Nachruf v. Bahrfeldt's (Bl. f. Mzfrde. XVI 1926, p.
369) und in der von M. v. Bahrfeldt herausgegebenen Denkschrift: E. J. Haeberlin, München
1929, in der man auch sonst wichtiges numismatisches und biographisches Material von ihm
und über ihn findet.
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