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Clasen, Peter Adolf
Der Salutismus: eine sozialwissenschaftliche Monographie über General Booth und seine Heilsarmee$dInaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde einer hohen philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg — Jena: Bei Eugen Diederichs, Verlag, 1913

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https://doi.org/10.11588/diglit.61365#0031
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frieden damit, nehmen wir jede Seite der Bewegung unter die Lupe. Wer
einmal das Religiössoziale als das Wesen des Salutismus erkannt hat, dem
öffnen sich alle Türen, und die ganze soziale Tätigkeit, welche wir in den letz-
ten drei Hauptstücken schildern, kann ihm nicht anders denn als notwendige
Lebensäußerung der Heilsarmee erscheinen. Er wird sich nicht verwundern,
daß sie, die keine Dogmatik kennt, ein soziales Programm hat, das bis ins
kleinste ausgearbeitet ist und das sie als ein Palladium hütet, ebensosehr wie
sie alles Dogmatisieren haßt. Es ist ihm selbstverständlich, daß eine solche
Organisation mit Feuereifer an die Ausführung ihres Programms gehen
mußte. Blackfriars, Spa Road, Hadleigh, die 20 andern Heilsarmee-Kolonien
und die Zehntausende, denen die Heilsarmee jedes Jahr zur Auswanderung
verhilft, werden ihn erstaunen, aber nicht ungläubig lächeln lassen. Millionen
von Nachtlagern hat die Heilsarmee den Ausgestoßenen gewährt und noch
mehr Millionen von Mahlzeiten. Weit über 50 000 Prostituierte und gefährdete
Mädchen gingen durch ihre Heime. Mitten in Not und Elend schiebt sie ihre
,,Slum“-Posten vor, sorgt für die Wöchnerinnen und Kinder, nimmt sich der
Kranken und Altersschwachen an, empfängt den Häftling und Stellenlosen,
schlingt ihre Arme um den Lebensmüden und sucht auf den Straßen und
Gassen unserer Hafen- und Großstädte nach den Vermißten, kurzum lädt
alle zu sich ein, die irgendwie mit einem Mühsal beladen, um allen alles zu
werden. Und nun auf zu dieser geistigen Wanderung durch so vielerlei In-
teressantes, und zwar wie es sich bei einer wissenschaftlichen Arbeit von
selber versteht: Sine ira et studio!
LITERATUR UND QUELLENBESPRECHUNG
Die Heilsarmee hat schon ganze Regimenter von Federn in Bewegung gesetzt,
und Ströme von Tinte sind um sie vergossen worden. 1908, 27, 6.
Des vielen Büchermachens, seufzt schon Salomo, ist kein Ende (Pred. XII,
12), und es ist, um ein Wort Spinozas zu gebrauchen, ein tröstlich Ding,
schon in so alter Zeit einen Leidensgefährten zu haben.
Unter den wenigen zur Beachtung zwingenden Werken muß dasjenige von
Dr. v. Kolde, Professor der Kirchengeschichte an der evang.-theol. Fakultät
der Universität Erlangen, in jeder Beziehung an erster Stelle genannt werden.
Von seifen der Heilsarmee wird hauptsächlich gegen das Buch ins Feld ge-
führt, es sei durch die Tatsachen überholt (145, 8) und es hafte zu sehr am
Äußern, statt auf den Geist und auf die Beweggründe einzugehen (207, VI);
beides nicht mit Unrecht. Kolde empfing vor 1884 in England seine ersten

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