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Clasen, Peter Adolf
Der Salutismus: eine sozialwissenschaftliche Monographie über General Booth und seine Heilsarmee$dInaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde einer hohen philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg — Jena: Bei Eugen Diederichs, Verlag, 1913

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https://doi.org/10.11588/diglit.61365#0057
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II. HAUPTSTÜCK
RELIGION DER HEILSARMEE
I. DOGMATIK
Was unsere Lehren angeht, so laßt es mich klar sagen, daß wir uns nie eingebil-
det haben, es wäre noch etwas Neues bei uns zu lernen, und daß wir auch gar
nicht erwarten, noch etwas Neues lehren zu können. Wir halten die drei Glaubens-
bekenntnisse (= das apostolische, nicänische und athanasische) von ganzem
Herzen. W. Booth, Contemporary Review XLII, 176.
Mit beispielloser Ausspannungskraft hat der Salutismus sich über die Welt
verbreitet und bietet heute schon eine Art Gegenstück zu dem profan-
geschichtlichen, britischen Imperium mit seiner meerebeherrschenden Flotte
und seinem „polypenartigen“ {Schiller) Wirtschaftskörper. So hat er die Vor-
trefflichkeit seiner Organisation glänzend erwiesen, und das ist um so be-
merkenswerter, als ihm ebenso wie dem Methodismus eine feste dogmatische
Form fehlt. Man hat geradezu Abneigung gegen alle „Religionstheorien“ (35,
71). Theologie ist nach H.-Anschauung oft die bitterste Feindin wahrer
„Herzensreligion“ (1905, 44, 8). Die „lebendige Tat“, von Prof. D. Seeberg
auf dem kirchlich-sozialen Kongreß zu Hannover gefordert (91, 10): die ist
es, die der H. über alles geht.
Auf solche Art ist sie zu der unbewußten, aber trotzdem haarscharfen
Unterscheidung zwischen Religion und Konfession gekommen. Die H. ist
nach einem Ausdruck, den der Kriegsruf sich zu eigen macht, auf allgemeiner
christlicher Grundlage konfessionslos (1908, 45, 7), und bei Gründung des
Bonner Korps sprach der leitende D.-O. von der interkonfessionellen Gesin-
nung der H. (1907, 10, 9). Die H„ betont Oliphant, verhält sich allen kirch-
lichen Unterschieden gegenüber neutral (1907, 47, 7), und mit Pfarrer Oberlin
sagen die Heilssoldaten von sich, daß sie ebensosehr katholisch als prote-
stantisch seien (186, 115). Und das sind nicht etwa Entgleisungen. Es ist
der reine Ausdruck des vom ersten General und seiner Frau mit Überlegung
gepflegten christlichen Synkretismus; denn „in der Schlichtheit des Glaubens-
bekenntnisses“ meint man „das festeste Band der Einigkeit“ zu haben (W.
Booth, 71, XX).
Frau Cath. Booth ist wohl in der H. die Hauptträgerin dieser Gedanken ge-
wesen. Nach ihren Worten kümmert die H. sich sehr wenig um Glaubens-
bekenntnisse und glaubt dasselbe von Gott (23, 29). Ein Mensch ist entweder
gerettet oder nicht. Diese Tatsache ist ganz unabhängig von seiner Theorie,
und es ist von verhältnismäßig geringem Wert, was für eine (dogmatische)

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