Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Clasen, Peter Adolf
Der Salutismus: eine sozialwissenschaftliche Monographie über General Booth und seine Heilsarmee$dInaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde einer hohen philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg — Jena: Bei Eugen Diederichs, Verlag, 1913

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.61365#0081
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
III, HA UPTSTÜCK
GESCHICHTE DER HEILSARMEE
Solange das Christentum besteht, hat es .. . noch keine in ihm und aus ihm ent-
standene Bewegung gegeben, die in so kurzer Zeit so kolossale numerische Er-
folge aufzuweisen gehabt hätte als die Heilsarmee. Prof. Dr. von Kolde 174, 44.
i. DIE HEILSARMEE WIRD GEBOREN
Als Geburtsjahr der H. wird von ihr selber, wie von Außenstehenden das
Jahri865 angegeben, in demW.B.,ein Methodistenprediger, wie so viele
andere, in Ost-London zu missionieren begann, in tiefster Seele erschüttert
von dem geistigen und leiblichen Elend, das seine Augen sahen. Ich kann
mich diesem Brauche nicht anschließen, muß vielmehr 1878 als Geburts-
jahr vorschlagen; nicht weil die H. erst damals ihren Namen empfing, auch
nicht weil sie bis dahin nicht militärisch organisiert war. Das sind nur
Zeichen des inneren Vorgangs, ist nicht der Vorgang selber. Es gibt eben bis
zu den 80er Jahren keine H. Der ganzen Bewegung fehlt die selbständige
und unabhängige Existenz; sie ist mit der Person des ersten Generals un-
trennbar verbunden und deshalb in seiner Lebensgeschichte zu behandeln.
Zu dieser Unselbständigkeit tritt als weiterer entscheidender Grund, daß die
Bewegung auch ihren heutigen Charakter noch nicht hat. Die „Christliche
Mission für Ost-London“ oder die ,.Chr. M.“, wie man später kurzweg sagte,
ist ein rein sektenhaftes Gebilde. London, allenfalls noch England, sind die
Wirkungskreise, welche man sich von der Vorsehung gesteckt glaubt, und
darüber hinaus gehen auch die kühnsten Träume nicht. Da bricht mit dem
Jahre 1877 die große Pfingstzeit an und bringt die vollständige Umwandlung
nicht nur der äußeren Erscheinung, sondern auch des Geistes der Mission
(vgl. 153, 90). Mit dem Siegel der Katholizität auf der Stirne und dem Wahl-
spruch „Die Welt für Jesus“ auf ihrer Fahne, geht die H. aus ihr hervor; die
Sekte ist zur geschichtlichen Bewegung, der methodistische Eigenbrödler zu
der aller Welt bekannten historischen Person geworden.
Eingeleitet wird dieser denkwürdige Vorgang durch die im Januar 1877
tagende, von W. Booth einberufene Konferenz. „Lange Zeit schon fühlte er,
daß ein so agressives Werk, wie er es im Sinne hatte, keine gesellschaftliche
Form der Leitung brauchen könne“ (100, 2). Dazu sagten ihm seine treuesten
Gehilfen wörtlich: „Diese Arbeitsmethode wird Satans Reich niemals er-
schüttern. Wir gleichen nur den Gemeinschaften um uns herum, und zwar
mit jedem Tage mehr. Viel Gutes und alles Besondere an unserer Arbeit geht
uns verloren. Eine weitere Sekte zu bilden, können wir nicht wünschen" (71,

55
 
Annotationen