Dittenberger, Wilhelm ; Purgold, Karl ; Curtius, Ernst [Hrsg.]; Adler, Friedrich [Hrsg.]
Olympia: die Ergebnisse der von dem Deutschen Reich veranstalteten Ausgrabung (Textband 5): Die Inschriften von Olympia — Berlin, 1896

Seite: 369_370
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[No. 252 — 253]

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Tjäa-i oder auf Is πόΚεμον κατίττησ-πν bezieht. Da schon
der regelmässig und elegant ausgesührten Schristzüge
wegen an das Zeitalter des zweiten messenischen Krieges
nicht zu denken ist, so hat Curtius erstere Konstruktion
vorgezogen und demnach das Anathem in Ol. 79, 1 (464
v. Chr.) gesetzt. Indessen erklärt Pausanias so deutlich
wie möglich, dass auf dem Stein nur dieses Epigramm
stand, und er seine Kunde von der VeranlalTung anders-
woher habe (λεγαυσ-ι). Mit Recht haben daher Schubart
und Kaibel die ganze Erzählung als Periegetenersindung
verworfen. Denn wenn Preger meint, es gebe keinen
genügenden Grund, den Gewährsmännern des Pausanias
den Glauben zu versagen, so muss man dagegen fragen,
woher denn diele wilsen konnten, was das Denkmal selbst
verschwieg. Periegetische Litteratur über die Sehens-
würdigkeiten der Altis gab es doch zur Zeit des dritten
messenischen Krieges gewiss noch nicht, und die Schrift-
steller der Folgezeit waren demnach auf die mündliche
Tradition angewiesen, die in solchen Fragen alles eher
als zuverlässig zu sein pssegt. Nach dem Schriftcharakter
fällt die Errichtung des Denkmals in das sechste Jahr-
hundert v. Chr.
Da der Versuch von Ahrens, K^ovlSöu als Vokativ-
form zu rechtfertigen, missglückt und an eine Hinzu-
fügung des I aus sprachlichem Missverständnis (s. zu No. 89)
in dieser alten Zeit nicht zu denken ist, muss der Rest
einer vertikalen Haste zum Anlaut des Gottesnamens ge-
hören. Entweder also hat eine sonst nicht nachweisbare
Nebenform desselben hier gestanden, oder wahrschein-
licher eine ungewöhnliche Form des Zeta, vielleicht wie
Weil bei Roehl vermutet, die liegende: Η , die hier
neben der älteren Gestalt des Hauchzeichens Η ganz un-
zweideutig war. Das Adjectivum ίλ^Γ-ω hat durch das
schwer erklärbare r, Ahrens zu einer kühnen Vermutung
Anlass gegeben. Er meint, der Stein sei schon zu Pau-
sanias' Zeit an dieser Stelle schadhast gewesen, und der
Text von dem Periegeten nach eigener Vermutung er-

gänzt, während der ursprüngliche Wortlaut des Penta-
meters gewesen wäre
ΊληΡω[ς &α]ΐλωι [τ]ωι ΑακεοαΐίΑθνι[ων].
Indessen ist ein Part. perf. iXtfug genau so unerhört
und den Lautgesetzen des Dialekts widersprechend wie ein
Adjectivum IXripos, so dass mit jener Hypothese nichts
gewonnen wird. Ansprechender ist die Vermutung von
Müllensiefen, dass eine verunglückte Übersetzung der
dem Verfasser geläufigen Form in den epischen Dialekt
vorliege; allerdings ist dem das erhaltene « in K^owS«
wenig günstig. Zur Erklärung der Difserenz zwischen
dem Stein und Pausanias in den Schlussworten des Penta-
meters hatte E. Curtius die Vermutung ausgesprochen,
το! ΛακεΗίΐιμόΐΊΟί sei gewissermassen als Unterschrift zu
betrachten; eine Unterschrift dieser Art im Nominativ
ausserhalb jeder Satzkonstruktion ist aber dem griechi-
schen Altertum fremd. Er selbst sindet daher wahr-
scheinlicher ™ ΧακεδαιμονΙφ in kollektivem Sinn. Dieser
weitverbreitete Gebrauch gehört aber mehr der Umgangs-
sprache, der Prosa und den ihr näherstehenden poeti-
schen Gattungen, wie der Komödie an, und ist dem
feierlichen Ton eines Weihegedichtes nicht angemessen.
Deshalb ist der Plural herzustellen; für die Endung des
Ethnikon lässt die Lücke genügenden Platz. Der Artikel ist
allerdings roT gewesen, aber mit Recht nimmt W. Schulze
diese Schreibung in Schutz. Sie ist zu erklären aus
der Assimilation der Konsonanten an der Wortgrenze,
für welche nicht nur der kretische Dialekt in den Tafeln
von Gortyn die merkwürdigsten Belege bietet, sondern
aus dem lakonischen gerade für die hier in Frage kom-
mende Verbindung ο-λ ein Beispiel vorliegt in Ιλ Λαχε-
hamovcc No. 171, 8. Dass man dann aber das Lambda ein-
fach schrieb, beruht auf dem allbekannten Gebrauch der
archaischen Inlchriften aller Dialekte und Landschaften,
der sseh keineswegs auf das Innere des Wortes beschränkt,
vergl. rttiTTs'y«« Gesetz von Gortyn IV, 33. Αίθηλεΰτι-«^-
τος V, 5- πατγ,δωει IX, 41. ΰπε()ζ XI, 44• ταδικας XI, |>Ι.

253. Drei zusammenpassende Fragmente aus gelb-
lichweissem Marmor von unregelmässigem Korn, an-
scheinend peloponnesischen Ursprungs, 0,24 hoch, 0,24
breit, an beiden Seiten gebrochen. Nur das erste Stück
(a) hat die ursprüngliche Höhe erhalten, b c sind unten
gebrochen, jenes ist auch hinten vollständig, 0,165 tief.
Die erhaltenen Teile der Rückseite sowie der oberen und
unteren Horizontalsläche sind sorgsältig geglättet; erstere
zeigt in der Höhe von 0,14 eine 0,02 — 0,03 tiefe, osfen-
bar später angebrachte Abarbeitung. Die obere und untere
Fläche sind nicht genau parallel gerichtet, sondern die
Höhe nimmt nach rechts hin merklich zu, so dass, wenn
man die Oberssäche als horizontal annimmt, wie es die
Olympia V.

Richtung der mit ihr parallel laufenden Schrift erfordert,
die Verlängerung des erhaltenen Teils der Unterssäche
eine nach rechts abwärts laufende Linie bildet, deren
Neigung auf je 0,10 etwa 0,006 beträgt, α Inv. 1067.
Gefunden 8. Februar 1881 am Südende des Südbaus im
Werten des Buleuterion. b Inv. 40. Gefunden 14. März
1876 Ostsront des Zeustempels (»im 2. Intercolumnium«).
c Inv. 830. Gefunden 31. März 1880 im Zeustempel. —
Herausgegeben von Purgold, Arch. Zeitung XL (1882)
S. 179 N0.435 (Roehl, I. G.A. p. 171 Ν0.26Λ. Imagines
p. 60 No. 6. E. S. Roberts, Introduction to Greek Epi-
graphy I p. 125 N0.93. F.Blass in Collitz' Samml. griech.
Dialektinschristen III S. 75 No. 3157. Th. Preger, Inscr.
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