Dittenberger, Wilhelm ; Purgold, Karl ; Curtius, Ernst [Editor]; Adler, Friedrich [Editor]
Olympia: die Ergebnisse der von dem Deutschen Reich veranstalteten Ausgrabung (Textband 5): Die Inschriften von Olympia — Berlin, 1896

Page: 711_712
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/curtius1896a/0367
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
ηιι

[Νο. 6q2j

Χ. ERKLÄRENDE BEISCHRIFTEN VON BILDWERKEN.
AUFSCHRIFTEN VON WAFFEN, GEFÄSSEN, GERÄTEN,
ZIEGELN UND ANDEREN GEGENSTÄNDEN
AUS METALL, STEIN UND THON.

692. Zwei Fragmente von den Blöcken eines
grösseren halbrunden Bathron aus schwarzem
Kalkstein, 0,305—0,315 hoch, Vorderssache zulammen
bis 0,54 breit, Tiefe 0,88. Die beiden Stücke stossen an
ihren Innenseiten mit Anschlussssäche aneinander und

sind an den ä'usseren Seiten beide gebrochen;

das

grössere hat an einer Stelle den hinteren Rand erhalten,
das kleinere ist auch hinten gebrochen und nur noch
0,38 tief. Die Vorderseite ist wie die Oberssäche stark
verwittert und von tiesen Rissen durchfurcht. Sie zeigt
unten einen sehmalen, schwach vortretenden Rand, der
von der Versenkung dieser Blöcke in die Einlassung der
Mittelsteine des Bathron herrührt und dessen Höhe mit
der Gesamthöhe der nicht ganz gleichmässig gearbeiteten
Steine zunimmt. Auf der Oberssäche sind links am
Bruch des grösseren Fragments die Reste von zwei run-
den Vertiefungen (Durchmesser 0,08, Tiefe 0,12 — 0,13)
erhalten, welche zur Beteiligung des hier aufgestellten
Weihgeschenks dienten. Vor derselben sleht am vor-
deren Rande der Rest der Inschrift in breit und tief
ausgehauenen Buchstaben von durchaus monumentalem
Charakter und hoch altertümlicher Form (0,06 — 0,08
hoch). Die Vorderseite der Steine zeigt eine schwache
konkave Krümmung, welche dieselben als Bestandteile
eines halbrunden Bathron von bedeutenden Dimensionen
— gegen 10 Meter Radius — erkennen lässt. Ein weiterer
Block desselben liegt im nördlichen Pteron des Heraion,
trägt aber keine Inschrift; er ist in der ganzen Breite
von 0,71 erhalten und zeigt beiderseits Anschlussfläche,
aber hinten gebrochen und nur noch bis 0,72 tief. Aus
der Oberfläche trägt er die an der umgebenden Ver-
witterung erkennbare Spur eines überlebensgrossen linken
Fusses, der unter der Ferse in einem runden Loch, wie
die an dem grösseren Inschriftfragment erhaltenen, be-
teiligt war; ein anderes ebensolches für den rechten
Fuss ist daneben am hinteren Bruch erhalten. — Inv. 251
und 266. Gefunden 28. November und 6. Dezember 1877
auf der Nordmauer der Cella des Heraion. — Facsimi-
liert von Purgold.
Ein so umfangreiches Denkmal altgriechischer Zeit
dürfen wir erwarten von Pausanias angeführt zu finden.
Es liegt daher nahe, an das von ihm V, 22,2 auf einem
halbrunden Bathron neben dem Hippodameion beschrie-
bene Weihgeschenk der Apolloniaten, das Werk des


^F@/*\

Λ

Lykios, Sohnes des Myron, zu denken. Hier standen an
den beiden äussersten Enden des Halbkreises Achilleus
und Memnon einander gegenüber, die Mitte nahm Zeus
zwischen Thetis und Hemera ein, während dazwischen
vier Paare feindlicher Krieger, je ein Grieche einem Troer
gegenüber, aufgestellt waren. Zu Füssen des Zeus in
der Mitte stand 'γράμμαα-ιυ αργαίοις die Weihinschritt der
Apolloniaten. Wenn wir in dem erhaltenen Inschriftrest
die erklärende Beischrist neben der Figur des Memnon zu
erkennen haben, so bildete der linke der beiden Blöcke,
über deren Fuge hinweg lie geschrieben ist, den äusseren
Abschluss des Bathron, das zu den grössten innerhalb
der Altis gehört haben muss. Dem entsprechen die Di-
mensionen der erhaltenen Teile durchaus. Die Möglich-
keit der Ergänzung unserer Inschrist zu [&γα]μεμ«ω' und
ihrer Beziehung auf das grosse Weihgeschenk der Achäer
im Osten des Zeustempels wird dadurch ausgeschloslen,
dass die Beischrift dieses Namens nach der ausdrück-
lichen Angabe des Paus. V, 25,9 von rechts nach links
geschrieben war.
loading ...