Dittenberger, Wilhelm ; Purgold, Karl ; Curtius, Ernst [Editor]; Adler, Friedrich [Editor]
Olympia: die Ergebnisse der von dem Deutschen Reich veranstalteten Ausgrabung (Textband 5): Die Inschriften von Olympia — Berlin, 1896

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[No. 649 — 650]

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IX. BAUINSCHRIFTEN, STEINMETZZEICHEN UND
VERWANDTES.

649. Block aus brauneniSandstein, ο, 11 hoch,
0,56 breit, 0,46 tief, von der Ante des Schatzhauses der
Sikyonier (des wesüichsten der Thesauren), in welcher
der Stein in der Höhe von etwa 2,75 angebracht war.
Der obere Teil des Blocks ist, um denselben als Grab-
platte herzurichten, abgesprengt worden und gleichfalls
wieder aufgefunden; hinten ist er gebrochen. Auf der
vorderen Schmalseite sleht am unteren Rande sorgfältig
eingehauen die Inschrift, welche über die Fuge des unten
anlchliessenden Steines hinübergeschrieben war, so dass


Die Aufschrift ist unmittelbar nach Vollendung des
Baues angebracht, da ihre Buchstabenformen mit denen
der Werkzeichen auf den einzelnen Blöcken (No. 668)
genau übereinstimmen. Dann kann aber, wie Pur-
gold zuerst sah, die Nachricht des Paus. VI, 19. 1, das
Schatzhaus sei von dem Tyrannen Myron nach seinem
Wagensieg Ol. 33 (648 v. Chr.) errichtet, unmöglich rich-
tig sein, denn der Schristcharakter deutet auf eine viel
spätere Zeit, etwa auf die erste Hälfte des fünsten Jahr-
hunderts v. Chr., hin. Die Lanzenspitze No. 245 vertritt
ein älteres Entwicklungsstadium des sikyonischen Alpha-
bets, indem dort der Zischlaut noch durch Μ gegeben
ist, während hier nur zweifelhaft sein kann, ob Ζ oder
S gestanden hat; doch ist letzteres wahrscheinlicher, weil

nach dellen Verlust nur ihr oberer Teil übrig geblieben
ist. Die ursprüngliche Höhe der Buchftaben betrug 0,04.
— Inv. 1026. Gesunden 18. Dezember 1880 als Deckplatte
eines christlichen Grabes nördlich des achten Schatzhauses
über der Futtermauer des Hügels nach der Thesauren-
terrasle. — Nach Purgold's Faclimile herausgegeben von
A. Kirchhof!', Arch. Zeitung XXXIX (1881) S. 170 No. 394
(danach Roehl, I. G. A. p. 172 No. 27c. Imagines ed. 1
p. 64 No. 5, ed. 2 p. 76 No. 3. F. Blass in Collitz' Samml.
griech. Dialektinschriften III S. 78 No. 3167).

— SXV'jrtoi.

sonst der erhaltene Strich wohl weniger steil nach links
unten verlausen würde. Zur Erklärung des Irrtums bei
Paulanias ist die Annahme eines älteren, wirklich von
Myron errichteten sikyonischen Thesauros, an desfen
Stelle später derjenige getreten wäre, dellen Trümmer
erhalten find, künftlich und unnötig, da das Vorhanden-
sein der beiden von dem Periegeten 32 erwähnten ehernen
S-άλαμοι des Mvron in dem Schatzhaus vollkommen hin-
reicht, den Fehlschluss aus Entftehungszeit und Urheber
des Baues begreiflich zu machen. Dass das Ethnikon im
Nominativ, nicht wie man nach No. 652. 653 erwarten
könnte, im Genetiv aus dem Stein stand. ist durch den
Rest einer senkrechten Hafte, welcher hinten am Bruch
noch erkennbar ist, geliehen.

650. Quader aus braunem Sandstein von der
Ante des Schatzhauses der Sikyonier, 0,29 hoch, 0,975
breit, wovon 0,725 auf die um zwei Centimeter vor-
tretende Seitenfläche der Ante kommen, aus welcher der
erhaltene Teil der Inschrist lieht. Der Stein ist vollständig,
aber an den Rändern vielfach abgestossen, das rechte
Ende der Vorderseite gebrochen. Die Inschrist ist in 0,04
hohen Buchstaben von geringer Tiefe eingehauen. Am
Ende der Zeilen können nur höchstens je zwei Buch-

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staben sehlen, da der Stein nach rechts hin die Ecke bil-
dete; dagegen kann die Inschrist nach unten in weiteren
Zeilen lieh sortgesetzt haben. — Gesunden 4. Dezember
1877 (Tagebuch III), im Narthex der byzantinischen
Kirche verbaut. — Herausgegeben von Purgold, Arch.
ZeitungXXXIX(i88i)S.i7i No. 396 (danach Roehl, I.G.A.
p. 17s No. 27iY. Imagines ed. 1 p. 64 No. 6. ed. 2 p. 76
N0.7. F. Blass in Collitz' Samml. griech. Dialektinschristen
III S. 79 No. 3168).

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