Eggers, Friedrich [Editor]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 2.1851

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zu den Glanzpunkten der Kunstweberei und Spitzenarbeit, und
wiederum zur Verwendung vegetabilischer Abgänge oder von
Pflänzenfabrikaten zu Papieren, Papiermassen und Arbeiten aus
solchen und endlich im Anschtuss Sektionen für Xylographie
und-Typographie.

Die dritte Unterabiheilung zeigt die Verwendung der Stoffe
aus dem Thierreiche. Wir finden Arbeiten aus rohen Häuten
bis zu den feinsten Pressarbeiten in Leder, die Verwendung
des Knochens, Elfenbeins, der Perlemutter, vom Gebrauch für
das Haus bis zu den edelsten Kunstwerken. Ferner die Ver-
wendung der Thierhaare vom gemeinen Filz bis zu den bewun-
derungswürdigsten Leistungen der Gobelin-Weberei und den
Arbeiten mit der Nadel, welche durch Feinheit und Geschmack
Staunen erregen. Auch die Verwendung der Seide und der
Vogelfedern findet eine angemessene Repräsentation.

Zweite Abtheilung.
Unterabtheilung A, für das classische Alterthum.

Der Raum, welcher zur Aufstellung der Industrie-Produkte
aus dem classischen Alterthum bestimmt wurde, hat eine ent-
sprechende Dekoration erhalten. Da die Mehrzahl dieser Pro-
dukte aus den Werkstätten Römischer Industrie der ersten Kai-
serzeit stammt, ist die Wahl des Styls auf die Pompejanischen
Wanddekorationen gefallen. Um auf das classische Griechische
Alterthum hinzuweisen, ist eine Mauernische zur bildlichen Dar-
stellung der Tempel zu Paestum benutzt worden, andre deko-
rative Anordnungen weisen nach Aegypten, Kleinasien und
Etrurien. Die spätere Zeit w'ird durch ein Columbarium zur
Aufstellung antiker Aschenurnen charakterisirt, die germanische
vorchristliche aber durch die getreue Darstellung des merk-
würdigen Grabgewölbes zu Stendal mit einem Theile seiner
schönen: Original r Urnen. Ueberall ist für Dekoration nur ge-
schehen, was das Verständniss erforderte.

Die antike Architektur in ihrer Entwickelung und ihren
Uebergängen konnte natürlich nur durch bildliche Darstellung
verdeutlicht werden. Dies ist durch eine Reihe von Modellen
versucht. worden, unier denen wir nur das einer Aegyplischen
Pyramide, das des reizenden Tempels zu Tivoli, ferner des
Septimus Severus-Bogens zu Rom und zur Bezeichnung des
Römischen Kuppelbaues des sogenannten Tempels della Tosse
daselbst anführen: fast sämmlliche phelloplastische Meisterwerke
des berühmten May. Zur weitem Verdeutlichung und Bezeich-
nung der von den Alten verwendeten Baumaterialien, folgen
nunmehr als Ergänzung Säulentheile, Fragmente von Friesen
und andern architektonischen Ornamenten, thcils aus kostbaren
Marmorarten, theils aus gebranntem Thon. Daran schliessen
sich allerlei Fragmente von Ziegeln, zum Theil mit den Fabrik-
zeichen, Deckziegeln, von Mörteln, Gussmassen, Fussboden-
und Wandbekleidungen von musivischer Arbeit und Malerei von
berühmten Baudenkmälern rührend, so wie eine reiche Samm-
lung von den sogenannten antiken Marmoren in ihrer unver-
gleichlichen- Farbenpracht. Zur Vervollständigung der Samm-
lung der Steinarbeiten dient eine kleine Anzahl schöner plasti-
scher, Griechischer Marmorarbeiten und von Abgüssen, und
eine kleine Sammlung von Gemmen zeigt die Vollendung antiker
Arbeiten auch in diesem Fach; sie wird noch ergänzt durch
eine reiche Sammlung von Abgüssen der schönsten Arbeiten
antiker Steinschneidekunst.

Es folgt nunmehr die Sammlung der Erzeugnisse der eigent-
lichen Töpferei, in einer Reihe von Gefäss-Exemplaren und
Terrakotten, von der Aegyptischen Vorzeit und den ältesten
Griechischen Arbeiten an, bis zum Verfall der antiken Kunst
in den verschiedenen Massenmischungen und Verzierungsweisen;

vom Kollossal-Exemplare beginnend schliesst sie mit den Er-
zeugnissen der Nord-Europäischen vorchristlichen Töpferei.
Die Sammlung Griechischer Vasen findet eine interessante Er-
gänzung durch eine Folge der treuesten Imitationen für die im
Original fehlenden Formen. Hieran reiht sich die Sammlung
der antiken Gläser. Sie beginnt mit den rohen Anfängen und
führt zu den Arbeiten, welche durch ihre unvergleichliche Vol-
lendung in den Mischungen, durch ihre Farbenpracht wie durch
die Vielseitigkeit ihrer anderweiten Verzierungsweise und Be-
stimmung in einer seltenen Vollkommenheit die Bewunderung
der Kenner erregt.

Auch die Metallwaarenfabrikation findet in einer Reihe in-
teressanter Bronzegüsse und anderer Arbeiten ihre Vertretung.

Endlich werden .auch selbst Erzeugnisse der Industrie aus
vegetabilischen und animalischen Produkten, wie z. B. Schnitz-
werke aus Holz und Elfenbein und selbst allerlei Gewebe und
Fabrikate aus Byssus bemerkt, die wunderbarerweise dem
Zahn der Zeit durch Jahrtausende getrotzt haben.

(Forts, folgt.)

Der diesjährige Salon in Paris.

Folgende Schilderung der für die diesjährige Ausstellung
nach grossen Anstrengungen der Behörde erlangten Räumlich-,
keilen, womit sich eine- kurze Geschichte der Ausstellungen
verbindet — die wir der Jndependance Beige entnehmen —
dürfte als Einleitung der demnächst zu gebenden Besprechung
unseres geschätzten Herrn Berichterstatters in Paris den Lesern
nicht uninteressant, sein.

Die Ausstellung von 1850—51 (denn sie soll, wie man
sagt, für die beiden Jahre gerechnet werden) ist die drei und
sechzigste, welche Paris sehen wird. Von der Gründung der
Akademie der Malerei und Bildhauerkunst im Jahre 1648 datirt
auch, so zu sagen, ein erster Ausstellungsversuch, welchen
man (dieser Umstand ist nicht sehr bekannt) der jungen Her-
zogin Marguerite de Rohan, Tochter des Herzogs Heinrich, die
Lebrun zum Lehrer hatte und sehr gut malte, verdankt. Le-
brun und die beiden Mignard betheiligten sich mit ihren Wer-
ken bei dieser ersten öffentlichen Gemäldeausstellung, welche
Mazarin durch seinen Beifall unterstützte. Allein, obschon ver-
schiedene Versuche diesem ersten folgten, so wurde doch eigent-
lich erst 1673, also vor 177 Jahren, das System der Ausstellungen
wirklich gegründet. Der Katalog dieser Ausstellung ist erhal-
ten, sein Titel war folgender: „Liste des tableaux et pieces de
sculpiure exposee dans la cour du Palais - Royal, par WIM.
les peintres et les sculpleurs le VAcademie royal, en Van 1673."
Jedoch unter Ludwig XIV konnten,sich die Künstler noch nicht
recht an eine solche öffentliche Produktion ihrer Werke ge-
wöhnen, und es war Colbert's ernstester Wille nöthig, um das
Leben dieses Instituts nothdürflig zu fristen. Im Jahre 1699
nahm dasselbe durch Mansards energische Bestrebungen einen
neuen Aufschwung, und das Louvre sah eine Ausstellung, die
aus. 253 Gemälden, 29 Kupferstichen und 24. Werken der Bild-
hauerei gebildet war. Noch ist man fern von 3 — 4000 Num-
mern der heutigen Ausstellungen.

Wiederum fand eine Unterbrechung statt bis 1704, in wel-
chem Jahre die Zahl der ausgestellten Stücke das Doppelte, 520,
betrug. Die damaligen Berichte geralhen ausser sich über'die-
ses Resultat, zu welchem Lebrun, Maler des »grossen Kö-
nigs, Mignard (der Römer), Sebastien Bourdön, Nico-
las Colombel, Boullogne, Philippe de Champagne,
Jean Jouvenet und verschiedene Schüler von Lesueur und
Nicolas Poussin mitwirkten. Zu bemerken ist hierbei, dass,
durch eine besondere Ausnahme, zwei flamändische Gemälde,
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