Eggers, Friedrich [Editor]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 2.1851

Page: 33
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Zeitung

für bildende Kunst und Baukunst.

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Organ

der deutschen Kunstvereine.

Unter Mitwirkung von

Kugler in Berlin -
in Berlin

Passavant in Frankfurt.— Waagen in Berlin — Wiegmann in Düsseldorf — Schnaase
• Scbulz in Dresden — Förster in München — Eitelberger v. Edelberg in Wien

redigirt von Dr. F/Eggers in Berlin.

,c/F5.

Montag, den 3. Februar.

1851.

Enkanstischc Malerei auf Lava.

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rir wurden in unserm Leitartikel in der vorigen Num-
mer auf die Vergänglichkeit der Werke der bildenden Kunst
hingeführt, und in der That ist es ein trauriges Gefühl, sich
sagen zu müssen, dass sie niemals ganz der Unsterblichkeit
überliefert werden können. Sie sind einmal darin im Nachtbeil
gegen die Werke der tönenden und redenden Kunst, welche
durch die vervollkommneten Mittel der Vervielfältigung1 und
Verbreitung wohl schwerlich eher vertilgt werden könnten, als
bis man ihren Verlust nicht mehr beklagen würde. Indessen
arbeitet die Technik in der Malerei fort und fort daran, den
Bildern wenigstens diejenige Dauer zu verbürgen, deren sich
die Bauwerke rühmen. Am wirksamsten verbindet sie sich zu
diesem Zwecke mit der Chemie, und es gewinnt fast die Wen-
dung, als ob die Experimenlirer und Adepten in ihren Labo-
ratorien wirklich zu einer Art von Geisterbannern würden, in-
dem es ihnen doch gelingt, den farbenverkörperten Geist dau-
ernder zu fesseln, als man es seither verstand.

Zu den Versuchen dieser Art gehört denn auch die Lava-
malerei oder besser die eingebrannte Malerei auf Lavasteinplat-
ten, welche anfängt, in Berlin eine höchst beachtenswerthe Be-
deutung zu gewinnen. Das vulkanische Gestein wird aus den
Eifelbrüchen am Rhein gewonnen Und zu Platten gesägt, um
sie in die Wände eines Bauwerks einfügbar zu machen. Denn
mehr als sonst pflegt man jetzt beim Bauen auf den malerischen
Schmuck der Wände bedacht zu sein, ja wendet ihn vielleicht
oft selbst da an, wo der Baustyl ihn eigentlich auszuschlies-
sen scheint.

Die Lavaplatten werden nun mit einer weissen Glasur be-
deckt, welche sich durch Brennen mit dem Stein auf chemi-
schem Wege verbindet. Die so gewonnene glatte Fläche wird
sodann mit eigenthümlich bereiteten Farben bemalt und das Bild
wieder durch einmaliges oder wiederholtes Brennen befestigt.
Es liegt schon in diesen Andeutungen des Verfahrens, dass hier
von einer Malart für Darstellungen im grossartigen, einfachen
Style die Rede ist.

Es war vor etwa fünf Jahren, dass eine Tafel mit Malerei
auf Lava in Paris angekauft wurde, welche sich noch im hie-
sigen Königl. Gewerbe-Institute befindet. Schon früher indess
waren kleinere Proben durch Herrn Gropius hierher an den

II. Jahrgang.

Baurath Persius gelangt, welcher den Herrn v. Klöber 2tt
nachahmenden Versuchen aufforderte. Dies geschah und zwar
mit immer wachsendem, durch Nichts zu ermüdendem Interesse
des Künstlers an der Sache. Die Feilner'sche Ofenfabrik war
anfänglich hauptsächlich der Schauplatz, seiner unverdrossenen,
keine Mühe und Opfer scheuenden Bestrebungen. Einige, wenn-
gleich noch nicht vollkommene Resultate derselben kaufte der
König an. Dies hatte dann eine Bestellung für die Schlosskirche
zu Wittenberg-zur Folge. Zugleich ging die Regierung mit
dem Plane um, eine Anstalt für diese Art Malerei einzurichten,
zumal auch dieselbe bei dem inzwischen unternommenen Dom-
bau in Anwendung gebracht werden sollte. Dieser .Umstand
verlegte sämmtliche Arbeiten in die zum Dombau eingerichteten
Werkstätten, wodurch auf Veranlassung der Herren v. Olfers
und Stül'er auch der Chemiker Dr. Fuss für den technischen
Theil der Arbeit an den Bemühungen v. Klöber's den thätig-
slen Antheil nahm. So wurden in dieser Zeit ein Arabesken-
fries, mit Engelbildern in Medaillons, für den Dombau halb
vollendet und. für die Friedenskirche bei Potsdam mosaikartige
Ornamente geliefert. Noch müssen hier die erfolgversprechen-
den, nur durch Kränklichkeit gestörten Versuche des Dr. Lü-
dersdorf genannt werden.

Immer aber waren die Hauptschwierigkeiten noch nicht
ganz überwunden und man konnte weder sagen, den jedesma-
ligen Erfolg ganz in seiner Hand zu haben, noch auch auf den
Punkt der Ausführung gekommen zu sein, der nicht noch we-
sentliche Verbesserungen zugelassen hätte. Nach dem plötz-
lichen Tode des Dr. Fuss veranlasste v. Klöber den Herrn Mer-
tins, das Technische der Arbeit in die Hand zu nehmen. Die-
ser hatte sich als Porzellanmaler schon von früh auf vielfältig
mit ähnlichen Experimenten beschäftigt und kam nun in diese
grössere Bahn der Versuche, welche ihm gewissermaassen
die Aufgabe zu stellen schien, das Kind, die Porzellanmalerei,
zum Manne zu erziehen. Mit einer gewissen Adepten-Leiden-
schaftlichkeit ging er an die zahlreichen Experimente, denen
er indessen Erfolge abgewann, welche ihm endlich die Herr-
schaft über seine Feuerstatt sicherten. Er erkannte zunächst
eine zurückgestellte Steinsorte gerade für die geeignetste-, und
zwar wegen ihrer Porosität, welche eine grössere und gleich-
massigere Dehnbarkeit bedingt, mithin die Gefahr des Zer-
springens bedeutend vermindert, ganz abgesehen davon, dass
der weisse Guss sich dem Steine durch zahllose, selbstgebil-
dete Stifte, so zu sagen, anheftet und dadurch gleichsam auf

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