Eggers, Friedrich [Editor]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 5.1854

Page: 117
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Deutsches

ZeiWnfl

für bildende Kunst, Baukunst und

Kunjkgewcrbe.

Kunstblatt.

Organ

der Kunstvereine

Deutschland.

von

Unter Mitwirkung von

Kugler in Berlin — Passavant in Frankfurt — Waagen in Berlin — Wiegmann in Düsseldorf — Schnaase

in Berlin — Förster in München — Eitclberger v. Edelberg in Wien.

EiMgirt nun /. Eggers in Bulin.

M 14

Donnerstag, den 6. April.

1831.

Inhalt: Entgegnung auf des Herrn Karl Rosenkranz Eintheilung der Malerei nach ihren Gegenständen. Von M. Nng er. — Nürnberger Kunstindustrie. H t.
— Kunstlitcratur. Künstler-Briefe, übersetzt und erläutert von vr. Ernst Guhl. Bon G. F. Waagen. (Schluß.) — Bilder-Hefte zur Geschichte des
Bücherhandels und der mit demselben.verwandten Künste und Gewerbe. Herausgegeben von Heinrich Lempertz. Bon H. Weiß. ^— JJfümtg. Berlin.
München. — Kunstvtreinc. Beitrittserklärungen zu dein vorgeschlagenen gemeinsamen. Aktien-Unternehmen der deutschen Knnstvereine.

Entgegnung aus des Herrn Karl Rosenkranz Eintheilung
der Malerei nach ihren Gegenständen.

Von M. Uriger.

Herr Karl Rosenkranz hat in Nr. 50. 1853. der Zeitschrift
„das Museum" über „die Eintheilung der Malerei nach ihren Ge-
genständen" gesprochen und dabei, nachdem derselbe Hegels und Ho-
thos Eintheilung der Malerei als unzweckmäßig befindet, mein Werk
in folgender Weise angeführt:

„Weil hier nicht sowohl eine Eintheilung als eine Metamor-
phose gegeben ist, so wollte man durch einen Unterschied der Größe
eine solche begründen, wie Uuger in seinem viel besprochenen-Buche
über „das Wesen der Malerei" die Gegenstände der Malerei nach
ihrer Hähern und niedrigern Realität sonderte. Nach ihm sollen das
Portrait und der religiöse, auch der welchistorische Vorgang die
höhere Realität ausmachen; die niedere Realität aber aus denr Genre,
dem Thierstück, der Landschaft, der Marine, dem Blumen- und
Frnchtstück, dem Stillleben und der Architekturmalerei bestehen. Ab-
gesehen, daß eine solche comparative Theilung immer mißlich ist,
weil sie als eine bloß quantitative der innern Bestimmtheit entbehrt,
so überzeugen wir uns auch leicht, daß dieselbe nur den historischen
Gang der Entwickelung der Malerei versteckter Weise copirt."

Ich finde mich dadurch veranlaßt, hierauf zu erwidern, wie ich
nach dem Zwecke meines Buches in Beziehung aus die Eintheilung
nur historisch verfahren konnte,> und glaube dies in dem ersten Pa-
ragraphen der Einleitung desselben deutlich ausgesprochen zu haben.
Diese Eintheilung ausführlicher zu erörtern, erschien mir bei der
Beobachtung der Haltung des umfangreichen Materials nicht zu-
lässig, da die Lösung erheblicherer Kunstprobleme mir zuvörderst wich-
tiger war. Die Meinung des Herrn Rosenkranz, daß ich den
historischen Gang der Entwickelung „versteckter Weise copirt" ist dem-
nach völlig unbegründet, und ebenso unbegründet ist es, daß meine
Theilung der innern Bestimmtheit entbehrt, wie sich weiter zei-
gen wird. -'A- - UrftMWH

V Jahrgang.

Wenn Herr Rosenkranz eine neue Eintheilung der Malerei 31t
begründen, die allmählige Entwickelung der Naturwissenschaft zu ver-
anschaulichen sucht, und es als einen Fortschritt bezeichnet, daß man
endlich zu einer Eintheilung gelangt ist, die da beginnt, wo man
früher aufgehört, so bin ich damit, was die Naturwissenschaft be-
trifft, völlig einverstanden, weil das der historische Weg des Natur-
processes selber ist, in dessen Gliedern, ihrer natürlichen Reihenfolge
nach, die Wissenschaft am instruktivsten die Intentionen zu erkennen
vermag, wie der Weltgeist in der Modificatiou seiner Erscheinungen
sich zu offenbaren trachtet und endlich im Menschen seine deutlichste
Rcalisirung findet. Ob cs jedoch für die Wissenschaft zweckdienlich
sei, daß auch bei der Eintheilung der Malerei so verfahren werde,
ist sehr zu bezweifeln.

Denn man hat hier nicht die Gegenstände der Malerei an sich
zu betrachten, sondern im Verhältnis; zum schöpferischen Geiste des
Menschen und nur der Gang dieses Verhältnisses kann dabei maß-
gebend sein. Aus denselben Gründen, wie nach dem jetzigen Stande
die Naturwissenschaft mit den Gegenständen der niedrigsten Realität
ihre Eintheilung beginnt, aus denselben Gründen beginne ich mit
den Gegenständen der höchsten Realität in der Malerei; denn es
ist der historische Gang dieses Verhältnisses ein solcher, daß es mit
dem geistigen Triebe und der Ahnung des Göttlichen anhebt, für
die Darstellung des Göttlichen entsprechende Formen zu finden.

So lange Geist und Empfindung des Bildners im harmoni-
schen Verein sich den künstlerischen Bestrebungen nach dem Wesen
der Erscheinung hingeben, machen sich schon in den ersten Kunst-
epochen Resultate bemerkbar, die, weil sie eben das Wesen inne ha-
ben, in der höchsten Kunstbluthe nicht übertroffen werden. Wie
schätzenswerth deshalb diese Resultate des Anfanges auch sein mö-
gen, das eigentlich Künstlerische fängt erst da'^ä'ü, wo sich eine spe-
ziellere Ausführung der Formen bemerkbar macht und daher Geist
und Empfindung sich einer deutlicheren Eontrole preisgeben. Der
Anfang der eigentlichen Kunst ist somit da, wo man die rohen For-
men einer allgemeinen Andeullmg verläßt, um dem einzelnen Falle
sein natürliches Recht angedeihen zu lassen, oder mit andern Worten
da, wo man beginnt, die Individualität deutlicher auszuprägen.

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