Eggers, Friedrich [Editor]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 5.1854

Page: 189
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkb1854/0201
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Deutsches

für bildende Kunst, Baukunst und

Kirnstgewcrbe.


Unter Mitwirkung von

Lunftb latt.

Lrgaii

der Kuustvereine von

Deutschland.

Kugler in Berlin — Passavant tu Frankfurt — Waagen in Berlin — Wiegmann in Düsseldorf

in Berlin — Förster in München — Eitelberger v. Edelberg in Wien.

Migirl iura /. Eggers iß Krim.

Schnaase

M 22.

Donnerstag, den 1. Zuni.

1834.

Inhalt: Rundschau aus Frankfurt. (Fortsetzung.) — Einige Bemerkungen über die Geschichte der deutschen Künste von Ernst Förster rc. Von G. F. Waagen.
(Fortsetzung.) — Lithographie. Die Beute. Auf der Lauer. Von H. Eschke. H. Weiß. — Zeitung. Berlin. Halberstadt. Hannover. London. —
Kuustvereine. Kunstausstellung in Magdeburg. Aus dem Bericht des Frankfurter Kunstvereins von 1853.

Rundschau aus Frankfurt.

(Fortsetzung.) <

Die Schüler Steinle's: Frödöric Leighton. Joseph Bücher. — Philipp
Winterwerb. — Adolph Schmitz. — Heinrich Hasselhorft. — Adolph
Schrödter. — Moritz Oppenheim. — Jacob Becker. — Ernst Schalck. —
Adolph Schreyer. — Leopold Bode. — Breuer. — Jacob Dielmann. —
Angilbert Göbel. — Philipp Rumpf. — Anton Burger. — Jacob
Maurer. — A. Umpfenbach. — C. Th. Reiffenstein. — Peter Becker. —

Heinrich Funk. — Wilhelm Pose.

Von jüngern Künstlern, die Steinle's Richtung mehr oder we-
niger sich anschließen und zum größern Theil in seiner Schule ge-
bildet sind, nenne ich: Frodöric Leighton, gegenwärtig in Rom,
ein noch sehr jugendlicher Künstler, mit eminentem Talent für Form
und Farbe begabt. Sein erstes größeres Werk: „Der Tod--des
Brnneleschi" hat neben manchen noch unreifen Erscheinungen große
Vorzüge. Mehrere Bildnisse, in denen namentlich das Studium
v. Dhk's unverkennbar hervorleuchtet, so wie eine Reihe durchaus
origineller Cömpositionen berechtigen zu nicht gewöhnlichen Er-
wartungen.

Joseph Bücher hat sich mehrfach in kirchlichen Gegenständen
bethätigt; sein letztes größeres Werk ist ein kolossales Altarbild, die
Anbetung der Könige darstellend,, für eine Kirche seines Heimath-
landes Vorarlberg bestimmt. Es zeigt ebenfalls recht tüchtige Stu-
dien und ein eifriges ernstes Streben. Auch im Portraitsach hat
Bücher sich durch lebendige Auffassung und eigenthümlich feine Jn-
dividualisirung rühmlich hervorgethan. Die Wiederherstellung seiner
angegriffenen Gesundheit nöthigt ihn zur Zeit zu einem längern
Aufenthalt in der Schweiz, um wieder frische Kräfte zu sammeln. *)

*) Der geehrte Berichterstatter hat hier noch einen Schüler Steinle's zu
erwähnen vergessen, dessen Richtung eine entschieden historische ist, nämlich Do-
minik Mosler aus Düsseldorf. Unser geschätzter Mitarbeiter I. D. Passavant
schreibt uns über ihn: „M. malte für eine Kirche zu Ellar im Taunus ein Al-
tarbild: „eine Jungstau mit dem Jesuskinde" von großartiger Anordnung. So-
dann für einen Pfarrherrn in Weißkirchen ein Votivbild, dessen Mitte eine
Madonna mit dem. segnenden Christkinde im Schoos; zeigt, während zu den
Seiten der h. Joseph und der h. Franciscus, die Patrone des Donators, dar-

V. Jahrgang.

Philipp Winterwerb, der unter Prof. Becker's Leitung
seine erste Ausbildung erhielt, machte sich zuerst durch üichtige Lei-
stungen im Portrait bekannt. Dann unter Steinle's Führung sich
begebend, lieferte er sein erstes Werk historischen Inhaltes, das vom
hiesigen Kunstvereine erworben wurde. Es stellt „Othello, seine
Abenteuer erzählend" vor und giebt von einem ernsten Studium der
altvenetianischen Kunftweise Zeugniß.

Adolph Schmitz hat, in verschiedenen Kunstrichtungen sich
versuchend, einen feinen Sinn für Farbe und Totalwirkung bewiesen.
In seiner Aufsassungsweise ist er entschiedener Naturalist und das
Studium der neuern ftanzösischen und belgischen Meister leuchtet
bei ihm vorzugsweise durch. Sein letztes dahier ausgestelltes Bild:
„Christus und Judas" zeigte eine üichtige Technik und harmonisches
Colorit; die modern-rationalistische Darstellung des Gegenstandes
scheint uns dagegen ein Fehlgriff und ein streng christlich-religiöser
Charakter bei derartigen Vorwürfen aus der h. Schrift eine uner-
läßliche Bedingung zu sein.

Heinrich Hasselhorst, ein sehr begabter junger Künstler,
ist, wie der eben Genannte, aus Becker's Schule hervorgegangen und
ein Anhänger der naturalistischen Richümg. Ein bereits vor längerer
Zeit im Aufträge des hiesigen Kunstvereins begonnenes Bild „die
Gerichtsscene aus dem Kauftnann von Venedig" hat leider, da
Hasselhorst auch als Bildnißmaler vielfach beschäftigt ist, aus diesem
Grunde noch nicht zur Vollendung gelangen können. Unter seinen
Entwürfen ist eine Zeichnung: „Fallstaff in der Schenke" als beson-
ders schön in Conrposition und Lichtwirkung zu erwähnen.

Adolph Schrödter, unser allbekannter trefflicher Meister,
bildet durch seine Werke gleichsam den Uebergang von dem Gebiete
der Historie zur Genre-Malerei. Seinem bereits in einem frühen:
Berichte erwähnten „Triumph des Weines", so wie dem speziell dem
Rheinwein gewidmeten Festzug, hat Schrödter diesmal eine Folge
von vier, mit dem originellsten Humor aufgefaßten und meisterhaft

gestellt sind. Der fromme Sinn, welcher dieses Werk hervorgerufen, scheint uns
in unserer Zeit besondere Anerkennung zu verdienen. Die Bilder selbst zeichnen
sich durch eine tiefe und satte Farbengebung aus." D. Red.

22
loading ...