Eggers, Friedrich [Editor]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 5.1854

Page: 153
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für bildende Kunst, Daukunst und

Arrnstgcnicrk.

Ai. f», LcU wi • ttC

Unter Mitwirkung von

Organ

der Knnstvereine von

Deutschland.

Kngler l» Berlin 7— Passavant in Frankfurt — Waagen in Berlin —' Wiegmann in Düsseldorf

in Berlin 7 Förster in München - (s'itclbergcr v. (Idelberg in WÄ:.

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Schnaasc

J\i 18.

Donnerstag, den 4. Mai.

hast für die bildende Kunst der.Neuzeit?''Gm 'ÄersuH^^pn^Ä/sTeich^ein^/Ii.'. (^oÄ-
deS' deutschen Mittelalters, von Heinrich Ütte, Pastor nu'Fröhden. Bon H.'Ä.''Miil-

Znhalt: Worin besteht der Werth und die Aufgabe der Kunstwissenschaft
setzung.) — Kunstliterotur. Handbuch der kirchlichen Knnsiarchäölogie

ler. (Schluß.) — Zeitung. Berlin. Nürnbergs — Kunstvereine. Die letzte Gemälde-Berloosung des Potsdamer'Kunst-Vereins.




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Worin besteht kr Wrrih und die Aufgabe der Kunst-
wissenschaft für die bildende Knust der Neuzeit?

Ein Versuch von A. TeichleLn.

ii.

, • (FoMtzmM'4sklrL'S Uhtt W-

Die Akademien.

Gewöhnlich pflegt-.man den größten Werth darauf Zn legen,
daß „ein Name ersten Ranges" an der Spitze einer Akademie stehe.
Und eine glänzende Firma ist in der That in dieser autoritätsgläu-
Ligen Welt kein nichtschätzbares Ding für den Credit einer solchen
Anstalt. Nur wähne man nicht, daß dainit schon Alles gethan sei.
Die Erfahrung hat wiederholt gezeigt, daß berühmte Direktoren ihrer
Kunstschule in der That wenig mehr als den Glanz ihres Namens
geben. Mit dieser Bemerkung soll keineswegs solchen hochgestellten
Männern ein Vorwurf gemacht sein. Die natürlichen und hinrei-
chend entschuldigenden Ursachen dieser Thatsache springen jedem Ein-
sichtigen in die Augen. Daß der productive Genius ersten Ranges
möglichst ungestört seinem eigenen Schaffen leben will und auch besser
thnt durch Werke zu wirken, als sich zum Docenten, Administrator
und Elementarschulmeister herzugeben, wenn er selbst Geschick und
Neigung dazu hätte; das ist bekannt und einleuchtend. Alles, was
man von unseren Koryphäen der Kunst in Amt und Würden ver-
langen und erwarten dürfte, das wäre, daß sie Schulen im enge-
ren Sinne gründen, und überhaupt auf jede Weise das ihre bei-
tragen sollten, der Kunst eine gewisse „Richtung" zu geben. Aber
auch in dieser Hinsicht darf man nicht allzustreng mit ihnen rechten;
denn billigerweise muß hier etwas in Anschlag gebracht werden, was
den modernen Künstlern und gerade den ausgesprochensten genialen
Persönlichkeiten unter ihnen das Schulemachen im alten Verstände
außerordentlich erschwert und fast unmöglich macht; und das ist
wieder der Individualismus der niodernen Kunst. Die neuere Ent-
wickelungsgeschichte weiß nun einmal nichts mehr von jenem ästhe-

V. Jahrgang.

tischen Conservätismus der Griechen, welcher sich noch begnügen
konnte, den einen Göttertypns, wie ihn bin-genialer Künstler^M- gu-
ter Stunde erfunden hatte, für eine lange Zeit hinaus festzühalten
und nur schüchtern und ehrerbietig weiter zu bilden! Warmn? Das
sagt uns ein Blicke aus die Masse und Natur der neuen Kunststoffe.
In dem Wirrsal von -Kunstrichtungen, welche sie . mit sich gebracht
haben, giebt es ja vorläufig keinen bestimmteren MäsMb lMhr^Im
Stylrecht, als das gemeingültige und" dehnbares
manischen Einklangs von Inhalt und Form, welches jede'Behand-
lungsweise, insofern sie einem Stoffe gemäß isst'für diesen als die
rechte Kunstform gelten läßt. So läßt sich, streng genommen, eine
stetige schulmäßige 'Entwickelung im Sinne der' antikenWlaMesi
DP. M den' ItMenischen'lMäMt^rG^W Gür so Mtgch- änerken-
neu, als die Oberherrschaft der kirchlichen Stoffe-die typische Styl-
bildung erhält: von. Cimabue bis ans Raphael, und auch da nur an-
näherungsweise. Von Raphael und Michelangelo abwärts, je mehr
die individualisirende- realistische Kunstanschauung Platz greift, er-
lischt die Lebenskraft der Schulen mehr und uiehr. Die Schüler
ahmen entweder .den Meister nach „wie er räuspert und spuckt",
und ' werden Mani'eristen seines Stt)ls;-' • obex-;s*ftei,;löfeit -:fTc^'9M
ab und bilden ihr eigenes Ich selbständig-heraus. Weun in dieser
späteren Zeit, und zumal sobald die realen Stoffe die Malerei in
Fächer zerspalten, noch von einer venetianischen, niederländischen
Schule u. s. w. die Rede ist, so ist jetzt die überwiegende Bedeu-
tung des Wortes eine ganz andere, nämlich die ästhetisch-naturge-
schichtliche, welche Niemand anders denn das Zeit- und Volksbc-
wußtsein als den Meister dieser Schulen bezeichnet. Dis gleichen
Erscheinungen stellt uns die neudeutsche-Kunstentwickelung noch au-
genfälliger dar. Wieder ist es lediglich die kirchliche Kunst der „Na-
zarener", welcher es gelingt, eine eigentliche Schule zu gründen,
weil eben nur der typische Stoff das typische Stylband knüpft. Wie
wenig Segen ruhte dagegen selbst auf der Schule eines CornelinR
Und Kaulbach ist der Hersuch (bisher wenigstes so M uW'gDz-
lich mißlungen, und zwar vorzugsweise aus dem angeführten Grunde,
welcher überhaupt keine Schulen mehr aufkommen lassest'-Älill. Ach
spreche hier aus Erfahrung und entsinne mich nur zu wohl noch

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