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Echternstraße 16a, Wehrturm


Bau ist unterkellert und ruht auf einem hohen
Werksteinsockel. Bauplastischer Schmuck
aus Formsteinen sowie farbig abgesetzte
Zierbänder gliedern den Bau vorwiegend in
der Horizontalen. Aufwendiger durchgeformt
ist nur die Dachregion mit mehrfach gestuf-
tem Gesims und umlaufendem Vierpaßfries.
Das ausgebaute, schiefergedeckte Dach

trägt fünf Lukarnen unter gotisierenden Wim-
pergen in Werkstein.
Nördlich an das Pfarrhaus schließt mit der
Adresse Echternstraße 14/15 das ehemalige
Pfarrwitwenhaus an. „1559“ ist dieser lang-
gestreckte, dreigeschossige und zehn Spann
breite Fachwerkbau auf dem Schwellbalken
des vorkragenden Oberstockes datiert. Die
nördliche Haushälfte ist bei einem späteren
Umbau des Erd- und Zwischengeschosses in
diesem Bereich massiv ersetzt und unterkel-
lert worden. Erhalten blieb die über die ge-
samte Länge der Saumschwelle laufende In-
schrift und unter den noch vorhandenen Vor-
kragungen die schlicht mit Stab und Kehle
profilierten Knaggen.
Das stattliche, nördlich anschließende, spät-
barocke Haus Echternstraße 16 wurde 1789
von dem Lackfabrikanten Johann Heinrich
Stobwasser errichtet, unter dessen Namen
das dreigeschossige Fachwerkhaus auch
heute noch bekannt ist. Mit seiner gestriche-
nen Front und der symmetrischen Fassaden-
gestaltung mit Durchfahrt und Zwerchhaus in
der Mittelachse gehört es jener Gruppe von
Fachwerkhäusern an, die in Abwendung vom
traditionellen bürgerlichen Braunschweiger
Fachwerkbau sich an höfisch repräsentativen
Architekturformen orientieren und das
äußere Erscheinungsbild von Massivbauten
nachahmen. Der völlig gewandelte und ge-
stiegene Anspruch an Wohnraum und Kom-
fort, der sich an den Fassaden durch gestei-
gerte Raumhöhen und große Fenster dar-
stellt, wird bei diesem Gebäude besonders

anschaulich, da es an beiden Seiten von be-
scheidenen Bürgerhäusern des ausgehen-
den 16. Jh. flankiert wird. Dieses Gebäude mit
seinen rückwärts angebauten Seitenflügeln
beherbergte bis in das 19. Jh. hinein die weit
über die Grenzen Braunschweigs hinaus be-
kannte Stobwassersche Lackwarenmanufak-
tur, in der vor allem Dosen und Etuis aus
Pappmache, aber auch Becher und Teller,
Tee-, Schmuck-, Handarbeits-, Spiel- und
Tabakkästen mit qualitätvollen Miniaturen be-
malt und mit einem widerstandsfähigen Bern-
steinlack behandelt wurden.
Im rückwärtigen Bereich des großen, ehema-
ligen Stobwasserschen Anwesens hat sich
nördlich eines dort 1892 errichteten Vereins-
und Saalgebäudes des Braunschweiger Ar-
beiter-Vereins ein Relikt der mittelalterlichen
Stadtbefestigung erhalten (Echternstraße
16a): ein in die ehemalige Stadtmauer inte-
griert gewesener, jetzt niedriger Wehrturm,
der mit einem ost-westlich verlaufenden, ge-
deckten Wehrgang verbunden ist. Der aus
Bruch- und Haustein aufgemauerte, heute
bewohnte Turmstumpf steht unmittelbar am
Neustadtmühlengraben, dem der mittelalter-
lichen Stadtmauer vorgelagerten Graben, der
als offener Wasserlauf auch heute noch den
größten Teil der westlichen Innenstadt um-
fließt.
Echternstraße 17 bildet heute den Abschluß
der nördlich an das Pfarrhaus von St. Michae-
lis anschließenden individuell gestalteten und
aus verschiedenen Bauepochen stammen-
den Fachwerkhäuser. Es ist traufständig,

Echternstraße 14/15, ehern. Pfarrwitwenhaus, 1559


Echternstraße 16, „Stobwasserhaus“, 1789


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