Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
wird. Auch das rechts anschließende Fach-
werkhaus Nr. 73 verfügt durch einen hohen,
kreuzförmig verstrebten Drempel über viel
nutzbaren Dachraum. Die Ziegelfassaden
sind relativ schlicht gestaltet, Zierelemente
nur sparsam gesetzt und die stockwerktren-
nenden Gesimse mit Formziegeln, teilweise
aber auch durch Werksteinbänder gestaltet.
Die aus gelben und roten Ziegeln aufgemau-
erte Fassade von HausA/r. 72 ist am reichsten
gegliedert. Entworfen wurde das Gebäude
von dem Architekten H. Vollbracht, dessen
Entwurf schon durch die Zweifarbigkeit des
verwendeten Materials, vor allem aber in der
galerieähnlichen Durchbildung des obersten
Geschosses mit kleinen, paarweise gruppier-
ten Fenstern Ähnlichkeit mit dem von Kon-
stantin Uhde 1875 erbauten jüdischen Ge-
meindehaus an der Steinstraße aufweist.
An ihrem südlichen Ende stößt die Echtern-
straße auf den Prinzenweg, einen kurzen
Straßenzug, der ehemals in der äußersten
Südwestecke der ummauerten mittelalterli-
chen Stadt lag und am Michaelistor endete.
Ihren heutigen Namen hat die schmale Straße
erst seit ungefähr 1870, nachdem vorher
„Prinzenwinkel“ und bis um 1850 „Am alten
Michaelistor“ gebräuchlich gewesen war.
Der heute westlich der Einmündung der Ech-
ternstraße als Fußgängerweg angelegte Stra-
ßenzug verlor bereits im Laufe des 18. Jh.,
nach Eröffnung des neuen Wilhelmitores
1719 und dem 1786 erfolgten Abbruch des
Michaelistores, einen Teil seiner Bedeutung,
die er in mittelalterlicher Zeit als Stadtein- und
-ausgang hatte. Damals war der Prinzenweg
Teil der Südstraße über die der von Goslar
kommende alte Handelsweg nach dem Ein-
tritt in die Stadt durch das Michaelistor in di-
rekter Linie auf den Kohimarkt zuführte. In
seinem schon außerhalb der mittelalterlichen
Stadtbegrenzung liegenden westlichen Teil
führt der Prinzenweg heute am nördlichen
Rande einer kleinen Grünanlage auf den Wil-
helmitorwall zu und überquert dabei übereine
neue Brücke den Neustadtmühlengraben,
den mittelalterlichen Graben vor der ehemali-
gen Stadtmauer, in die am Ostende der
Brücke das Michaelistor integriert war. Als vor
allem bemerkenswerter Rest mittelalterlicher
Architektur ist am Prinzenweg ein noch vor-
handenes Stück Stadtmauer zu nennen, das
ca. 10 m lang und 5m hoch auf der Rückseite
des heute unbebauten Grundstückes des frü-
heren „Döringschen Beguinenhauses“ (Be-
ginekenworth) verläuft. Das Mauerstück ge-
hörte zur südlichen Stadtgrenze, die hier be-
reits in west-östlicher Richtung verlief, nach-
dem sie am Michaelistor, von Norden kom-
mend, in östlicher Richtung auf das Bruchge-
biet zu abbog. An seiner westlichen Abbruch-
kante ist der Stadtmauerrest heute mit der
Südwand des Rückgebäudes von Prinzen-
weg 5 verbunden, einem jüngeren Gebäude,
das nach leichten Beschädigungen im Zwei-
ten Weltkrieg in den sechziger Jahren erneu-
ert wurde. Das Vorderhaus bildet zusammen
mit Prinzenweg 6 eine Denkmalgruppe spät-
mittelalterlicher Fachwerkbauten, die auch
unter städtebaulichem Aspekt für das Er-
scheinungsbild der Traditionsinsel um St.
Michael von großer Bedeutung ist. Das mit
seiner Fachwerkfassade die Achse der Ech-
ternstraße im Süden abschließende, heute

als Wohn-/Geschäftshaus genutzte Gebäude
Prinzenweg 6, stammt in seinen ältesten Tei-
len wohl aus der Mitte des 16. Jh. Das fünf
Spann breite Haus hatte die für das Braun-
schweiger Bürgerhaus der Zeit üblichen
durch Erd- und Zwischengeschoß durch-
schießenden Ständer, die heute durch
moderne Ladeneinbauten im Erdgeschoß
eingekürzt sind. Oberstock und Dachüber-
stand kragen auf schlichten, dreieckigen
Knaggen mit einfachem Stab-Kehleprofil vor;
das über der Fassadenmitte aufragende
Zwerchhaus dürfte eine Zutat des späten 18.
oder frühen 19. Jh. sein. Im Verlauf einer 1980
erfolgten Sanierung des Gebäudes wurden
am äußeren Erscheinungsbild nur die von
1929 stammenden Ladeneinbauten leicht
verändert sowie der Giebel des Zwerchhau-
ses aufgesteilt. Analog zur Straßenfront er-
hielt im Zuge des Dachausbaues auch die
Rückseite ein Zwerchhaus.
Auch das östlich anschließende, um zwei
Spann breitere Haus Nr. 5 mit gleicher Trauf-
und bis zur Sanierung 1983 auch gleicher
Firsthöhe gehört in seinen ältesten Teilen
dem mittleren 16. Jh. an. Bereits 1959 wurde

das Erdgeschoß großenteils massiv ersetzt
und mit zwei Ladeneinbauten und großen
Schaufenstern geöffnet. Bei der Sanierung
1983 ist diese entstellende Veränderung zu-
mindest optisch wieder rückgängig gemacht
worden, und die Schaufenster wurden auf die
Breite der einzelnen Ständerintervalle zu-
rückgenommen, so daß die einstige kon-
struktiv bedingte Zusammengehörigkeit von
Erd- und Zwischengeschoß heute wieder ab-
lesbar ist. Auch an diesem Haus kragen der
Oberstock und der Dachansatz auf leicht ge-
schwungenen, miteinfachen Stäben profilier-
ten Knaggen vor. Die vor der Sanierung im
Brüstungsbereich des Oberstockes einge-
setzten Fußstreben sind heute zu Winkelhöl-
zern abgeändert. Das Dach trägt seit dem
jüngsten Umbau drei schieferbehängte
Dachhäuschen, die Rückseite des Hauses
wurde verputzt.
Dem heute unbebauten Grundstück mit dem
Stadtmauerrest auf der Rückseite liegt noch
ein weiteres, kleines Fachwerkhaus am Prin-
zenweg gegenüber (Prinzenweg 11). Es ist
heute als isoliertes, spätmittelalterliches Re-
likt eingebaut zwischen dem westlich an-

Prinzenweg 11


123
 
Annotationen