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EV. PFARRKIRCHE ST. MAGNI
(Ölschlägern 15A).



Ev. Pfarrkirche St. Magni, Grundriß (Dorn, R. 1978)

Ev. Pfarrkirche St. Magni, Ansicht von Südosten


Nach schweren Zerstörungen im April und
Oktober 1944 ist der mittelalterliche Bau unter
Einbeziehung des größten Teils der erhalte-
nen Altsubstanz zwischen 1956 und 1964 in
modernen bzw. frei historisierenden Formen
wieder aufgebaut worden. Der entwerfende
Architekt war Heinrich Otto Vogel. Auf den Ur-
sprungsbau der Magnikirche bezieht sich das
für die Stadtgeschichte Braunschweigs be-
deutsame Weiheprotokoll von 1031 mit der
frühesten Namensnennung der späteren
Stadt. In dem damals noch „Brunesguik“ ge-
nannten brunonischen Herrendorf war ein
kleiner, einschiffiger Kirchenbau errichtet
worden, den der Bischof von Halberstadt,
dessen Diözese damals noch alle östlich der
Oker gelegenen Gebiete einschloß, weihte.
Von diesem Vorgängerbau sind unter den
beiden östlichen Jochen derspäteren Hallen-
kirche die Fundamente erhalten. Nach der Er-
hebung des Dorfes zum Weichbild Altewiek
und seiner Einbeziehung in den mittelalterli-
chen Mauerring wurde um 1252 mit dem
Neubau einer größeren Kirche begonnen, der
mit dem zweigeschossigen Westbau, abge-
leitet von den Vorbildern St. Martini bzw. St.
Katharinen, begann. Als Baumaterial diente
auch für diese Stadtpfarrkirche der grau-rötli-
che Rogenbruchstein aus dem Nußberg öst-
lich der Stadt. Zu Beginn des 14. Jh. war der
Westbau einschließlich des südlichen Turm-
polygons und der schmalen Glockenstube
fertiggestellt - der Nordturm ist nie vollendet
worden. Auch dieser „sächsische Westrie-
gel“ hat wie der vor ihm entstandene West-
bau von St. Martini ein tief liegendes Westpor-
tal mit vierfach gestaffelter Leibung - hier aber
bereits mit einem leichten Spitzbogen. Die
eingestellten Säulen tragen Knollen- und
Rankenkapitelle. Gleichzeitig mit dem West-
bau ist zwischen ihm und dem zunächst als
Chorraum weiter dienenden romanischen
Altbau ein dreischiffiges Langhaus errichtet
worden, dessen ursprünglich basilikal begon-
nenes Wölbschema nach einem Planwechsel
in Hallenform fertiggestellt wurde. Das Stütz-/
Wölbsystem bestand bis 1944 weitgehend
einheitlich aus Kreuzrippen mit figürlichen
Schlußsteinen, die auf kreuzförmige Pfeiler
mit Kantensäulen liefen, während die spitzbo-
gigen Gurtbögen auf kurze Dienste geführt
waren, abgefangen von Hornkonsolen. Von
einem einzelnen Rundpfeilerpaar zwischen
dem dritten und vierten Joch ist heute nur
noch der südliche erhalten. Bereits im 14. Jh.
scheint der kleine Vorgängerbau niederge-
legt und der Hallenraum um zwei Joche nach
Osten verlängert worden zu sein, deren Wöl-
bungsschub, im Gegensatz zur übrigen südli-
chen Langhauswand, auf Strebepfeiler abge-
leitet wurde. Als letzter Bauabschnitt folgte
der 1447 fertiggestellte, zu % geschlossene
gotische Chor mit dreibahnigen Maßwerkfen-
stern. Nach den schweren Kriegsschäden
von 1944 blieben die Reste der Kirche zu-
nächst als Torso stehen. Zerstört war das ge-
samte Dach bis auf Bruchstücke über dem Al-
tar, ebenso sämtliche Gewölbe und große
Teile der Außenwände. Schwer beschädigt
wurde die Nordreihe der Scheidbögen und
die Chorpfeiler. Von der gotischen Bausub-

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