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springenden Mittelrisalit, der jeweils mit be-
sonderer Ausgestaltung das Kernstück des
Hauses mit dahinterliegendem kreisrunden
zweigeschossigen Vestibül bzw. rechtecki-
gem Gartensaal akzentuiert. Der Hauptein-
gang auf der Stadtseite wird über eine drei-
läufige Freitreppe erreicht, mit der die Höhe
des Sockelgeschosses ausgeglichen wird
und deren letzte Stufen von zwei Greifenpaa-
ren als Kandelaberträgern und einem Säu-
lenpaar mit ionischen Kapitellen begleitet
werden. Der Architrav über der Türe enthält
die Hausinschrift „SALVE HOSPES“; er wird
seitlich als Festonfries um den Risalit weiter-
geführt. Darüber liegt in der Zone des niedri-
geren Obergeschosses ein halbkreisförmi-
ges Radfenster, auf beiden Seiten begleitet
von einem Ornament aus gewundenen
Schlangenleibern und Vogelschwingen. Ein
Palmettenfries, das Dachgesims mit flachen
Balkenenden und eingetieften Kassetten so-
wie ein niedriger Dreieckgiebel mit Rundöff-
nung schließen den Mittelbau der Villa nach
oben ab, an dem nahezu der gesamte
bauplastische Schmuck des im übrigen äu-
ßerst zurückhaltend instrumentierten Baues
konzentriert ist.
Auf der Gartenseite ist dem einfacher gestal-
teten Risalit eine zweiläufige Freitreppe vor-
gelagert. Ohne Horizontalzäsur beherrscht
hier die Fassadenmitte ein tiefer, beide Ge-
schosse umfassender, kassettierter Bogen.
Anstelle des Dreieckgiebels auf der Stadt-

seite wird die Gartenseite von einem weniger
streng wirkenden, reliefgeschmückten Atti-
kaaufsatz abgeschlossen.
Mit jeweils fünf Arkadenbögen auf dorischen
Säulen liegen sich die beiden Nebenge-
bäude auf der Stadtseite der Villa gegenüber
und bilden zusammen mit ihr und der Einfrie-
dung eine klar begrenzte, in sich ruhende
Gesamtanlage, deren konzeptionelle Aus-
richtung dem Lessingplatz und der Stadt zu-
gewandt ist, wodurch sie im städtebaulichen
Verband der südlichen Wallbebauung eine
herausragende Rolle spielt. Sowohl italieni-
sche Vorbilder als auch Beispiele des Berli-
ner Klassizismus gingen bei diesem Haupt-
werk P. J. Krahes eine harmonische Verbin-
dung ein, von der eine über Jahrzehnte an-
haltende Weiterwirkung auf die klassizisti-
sche Architektur Braunschweigs ausging.
Unter der Adresse Lessingplatz 12A liegt auf
dem ehemaligen Parkgelände südwestlich
des Villenbaues noch ein eingeschossiger
Wirtschaftsbau, der als „Holzstall“ bezeichnet
wird und noch aus dem ersten Drittel des
19. Jh. stammen dürfte. Er gehört ebenso wie
der in der Tiefe des Grundstückes liegende
Eiskeller, der im Schlußstein seiner Flachkup-
pel „1859“ datiert ist, zum Gesamtkomplex
der Villa „Salve Hospes“, der im Laufe des
19. Jh. noch weitere Veränderungen und Ein-
bauten erfuhr.
Der Erbauer der Villa „Salve Hospes“, D. W.
Krause, ließ noch zu seinen Lebzeiten am

östlichen Ende seines Parkes, in unmittelba-
rer Nähe des Augusttores eine zweite Villa für
seinen Schwiegersohn bauen (Augusttorwall
5). Nach einem Entwurf von Friedrich Maria
Krähe wurde das Haus 1835/36 im Stil der
englischen Neugotik errichtet, ein Gebäude,
das sich harmonisch in den bereits im Stil
des englischen Landschaftsgartens angeleg-
ten Park einfügte. Der gequaderte Putzbau
war über rechteckigem Grundriß aufgeführt
und seine Hauptfassade im Osten durch ei-
nen polygonalen Mittelrisalit zentriert. Verän-
derungen erfuhr der Bau bereits durch den
etwas jüngeren, stilistisch angepaßten südli-
chen Anbau mit Turm, besonders aber durch
schwere Beschädigungen im Zweiten Welt-
kriege, denen die gesamte nördliche Hälfte
des Ursprungsbaues zum Opfer fiel. Das Ge-
bäude wird heute von der Städtischen Mu-
sikschule genutzt.
Nach dem Übergang der Villa „Salve Hospes“
in den Besitz der Familie Hollandt um die
Mitte des 19. Jh. wurde für den Park der Villa
der Name „Holiandts Garten“ gebräuchlich.
Auf diesen neuen Besitzer geht das westlich
des Ursprungsbaues 1884 von Kreisbaumei-
ster Wilhelm Krähe errichtete Orangeriege-
bäude zurück (Lessingplatz 13), das mit sei-
ner siebenachsigen Nordfront, zwei Vollge-
schossen und einem Mezzanin den Lessing-
platz im Süden begleitet. Der repräsentative
Bau ist im Stil der italienischen Hochrenais-

Lessingplatz 12, Villa, Gartenfront


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