Fliegende Blätter — 16.1852 (Nr. 361-384)

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Lavaglurh.

O nehmet euch ein Muster
An meiner Verse Schwung,

Daß stets sich selbstbewußter
Wird vie Begeisterung.

Bewundert hier das Java —

Das träumend euch ich schuf!

Mein Lied glüht rolhes Lava
Aus meiner Brust Vesuv.

Es wi d die Gluth der Schmerzen
Bald lauter Asche sein.

Und schüttet eure Herzen
Als Herkulanum etr. —

I.

Es ist mein Sinn so wüstendürr.

Du bist die grünende Oase;

Es ist mein Geist so sandeswirr
Als ob ein heißer Samum blase.

Der wilde Sprößling der Savanne —
Mein Schmerz, das ist der Wüstenleu.
Es zieht die dunkle Karawane
Der Träume Zug an dir vorbei.

Und eine Schaar von Beduinen,

Mit bleichen Mänteln angethan,

Folgt wild der Schwarm der Zweifel ihnen
Mit geistgeschliff'nem Uatagan.

n.

Die Liebe ist der Fels der kahle,

Daran geschmiedet dieses Herz —
Prometheus mit dem Feve.st ahle —

Der wilde Geier ist mein Schmerz.

Auf ewig steh' ich gramumflogen,

Wenn nicht dein Auge sich erschließt,

Ein Herkules vom Brauen-Bogen,

Den Pfeil der Gegenliebe schießt.

UI.

Es stehet des Gedankens Fichte

So einsam auf des Berges Rand,

Wir Falter spielen die Gedichte
In ihrem Schatten über'm Sand.

, ^ie Windsbraut küßt den stolzen Wipfel
Und jede Faser wird belebt,

Und von der Wurzel bis zum Gipfel
Ein ahnungsgrauer Schauer bebt.

Die tolle Windsbraut — meine Liebe,

O brause mächtig durch die Welt —

Und wirble deine Gluthentriebe
Hinüber an das Sternenzelt!

(Schluß folgt.)

Papierschnihelu.

Dankbarkeit. „Meine Schuld, verehrtester Herr, werde
ich in kürzester Zeit abtragen; es ist ja ohnehin bald Ihr
Namenstag, da komme ich gratuliren."

„Bringen Sie mir lieber mein Geld, gratuliren werde
ich mir dann schon selber."

Der Vergnügungssüchtige. Lieutenant. „Michel,
putze meine beste Uniform; heute Abend wird der Hoflanzler
unter großen Feierlichkeiten beerdigt."

Michel (freudig). „Schau'ns, Herr Lieutenant, Eure
Gnaden kommen halt gar nicht aus den Vergnügungen raus.

— Vor acht Tagen starb der alte Herr Onkel, gestern war
glänzender Ball beim Herrn Oberst und heute ist wieder großes
Begräbniß."

Sklbstvt.'geffenheit. „Frau Gräfin, was hats gegeben,
Ihr Liebling, Ihr Ami steht zitternd an der Thür?"

„Helas c’est horrible! — Das entartete Thier hat eine ab-
scheuliche plebejische Gesinnung beurkundet. Ich gebe ihm die
auserlesensten Leckerbiffen, aber der Undankbare sieht sie nicht an;
und gleich darauf ertappe ich die Canaille, wie sie mit dem
Kutscher gemeinen Speck verzehrt. 6'v8tabominable! —“

Der Heirathkrandidat. Herr (für sich). „Das ist
wirklich zu arg, das hätte ich nicht vermuthet."

Diener. „Warum denn nicht? — Das ist ja eine ganz
natürliche Sache, — der Schneider will halt sein Geld haben,
er war auch deßhalb schon zweimal hier und hat gesagt, wenn
Euer Gnad'n ihn nicht bezahlen, so —"

Herr. „Wer hat denn mit Ihm gesprochen? laß Er mich
in Ruhe, ich kann mich jetzt mit derlei Lapalien nicht
befasien. (für sich). Es ist fast unglaublich, daß sie meinen Heiraths-
antrag so schnöde von sich weisen konnte, — und doch ist es so,

— das ist für mich, als Beamter, eine ungeheure Blamage.
Ich wollte noch gerne auf ihre Hand verzichten, wenn ich nur" —

Diener. „Ihr Geld hätte."

Herr. „Halt Cr 's Maul! — (für sich.) Hm — was
ist nun zu thun? — Halt! ja so könnt es doch noch gehen,

— hier muß aber va banque gespielt werden, — ich werde ihr
schreiben, daß ich ohne sie nicht mehr leben kann und deßhalb

fest entschlosien sei, mich zu erschie-nein, das geht nicht —

und deßhalb fest entschlossen sei mich-versetzen zu lassen."

Diener. „Das glaubt sie nicht."

Herr (aufgebracht). „Warum nicht?"

Diener. „Weil sie es so gut wie ich weiß, daß man
Euer G'nad'n im Leihhaus nit annünmi."

Die edle Aufopferung. „Nehmen Sie zehn Jahre aus
meinem Leben, Fräulein, aber sprechen Sie „Ja."

„Ach Gott, da müssen Sie ja von Ihrer Zukunft borgen!"

„Ich mache nie Schulden und schenke nur von dem, was
ich besitze. Wählen Sie sich daher zehn Jahre aus meinem
bereits zurückgelegten Leben!"
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