Fliegende Blätter — 16.1852 (Nr. 361-384)

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Geschichte einer Gans.

In Paris ist die gebratene Gans von den Tischen der
Vornehmen verbannt. Der Nebenname „Braten der Schuh-
flicker" scheint diese Hintansetzung zu rechtfertigen. Unter
den Personen jedoch, die sich über dieses Vorurtheil hinaus-
setzten und die dem frommen Gebrauch ihrer Vorfahren treu
geblieben waren, befand sich Herr Nicot, Eigenthümer und
Teputirter, der mit industriellen Unternehmungen ein bedeu-
tendes Vermögen sich erworben hatte. In seiner Küche mußte
regelmäßig an den Wcihnachtsfeiertagen eine Gans am Brat-
spieß sich drehen. Seine Gemahlin, eine elegante Pariserin
öon fünfundzwanzig Jahren, die stets von Anbetern umgeben
tt>ar, theilte den Geschmack ihres Gatten nicht; sie will es.
"bglcich ihr Mann schon Ritter der Ehrenlegion ist, noch bis
jur Grästn oder wenigstens zur Baronesse bringen, und die

Träume ihrer künftigen Größe vertrugen sich schlecht mit der
so schlichten, bürgerlichen Gans.

Eines Morgens früh schellte Madame Nicot, als sie noch
im Bette war, ihrer Kammerfrau. — „Lisette," sagte sie,
„was ist das für ein Geräusch im Vorzimmer?" — „Der
Bannwart ihres Herrn Gemahls ist da, er bringt einiges
Wildpret und eine Gans!" — „Eine Gans?" — „Ja Ma-
dame, und zwar eine sehr schöne, sie glänzt von Fett, es ist
eine Freude, sie zu sehen." — „Pfui, eine Gans!" sagte
die stolze Pariserin, „weg mit der Gans !" — „Unsere Pächterin |
kennt eben den Geschmack meines Herrn und darum . . ." — j
„Ja, ja, ich weiß, daß mein Gemahl sehr die Gänse liebt '
und darum eben will ich sie auch nicht." — „Aber, Madame..." j
— „Ich habe heute einen Staatsrath, einen Obristen und !
einen Deputirten zu Tisch, ... soll ich so vornehmen Gästen ,
eine Gans anfstellen? . . . Freilich, wenn der Herr erfährt, j
daß sie hier ist, so muß sie aufgetragen werden . . . Wir |
müssen uns ihrer also so bald wie möglich entledigen . . .
Nichts wird leichter sein als das . . . Lisette, ich iverde Ihr
gleich einen Brief zu besorgen geben, schicke sie unterdessen
den Bannwart fort und gebe sie ihm einen Thaler." —
Madame Nicot setzte sich an ihren Schreibtisch und schrieb
einen höflichen Brief an Madame Dunoyer, ihre Freundin.
Sie sagte ihr, daß ihr Gemahl so eben zwei prächtige Gänse
zum Geschenk erhalten habe und bitte sie daher, eine davon
anzunehmen. — Die Gans ging mit dem Brief ab. — „Was
denkt Madame Nicot," sagte Madame Dunoyer, als sie dieses
sonderbare Geschenk erhielt, „mir eine Gans! ich esse ja nur
leichte Suppen und kann nicht einmal ein Huhn verdauen;
es gibt doch sehr sonderbare Leute." — Madame Dunoyer
warf einen verächtlichen Blick auf die Gans, da sie aber be- '
merkte, daß dieselbe so schön und so gut gemästet war, so be- i
schloß sie Jemand damit eine Freude zu machen und schickte das >

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Geschichte einer Gans"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
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Grafik

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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Speise <Motiv>
Karikatur
Gans <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 16.1852, Nr. 372, S. 89 Universitätsbibliothek Heidelberg
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