Fliegende Blätter — 16.1852 (Nr. 361-384)

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Hätte wohl Petrark seiner Laura eine schönere Liebes-
erklärung machen können, als hier der Hannesle von Strüm-
pfelbach seinem Gretle von Schnait?

Doch, desLuischens wegen bin ich ja in den Stern gekommen.
Ich saß noch nicht gar lange, kam der Hofbauer vom Stein-
acker und setzte sich zu mir hin. Bald waren wir im besten
Diskurs, und der Hofbauer erzählte mir so viel von seinen Aeckern,
Wiesen, Ochsen, Kühen, Kälbern, von dem Heirathgut, das seine
Susanne bekomme, und wie das ein Mädchen sei, das schaffen
könne, wie sonst keines, daß mir der Kopf ganz voll wurde, und
ich des Sternivirths Tochter ganz vergessen hätte, wenn sie niir
nicht eben wieder einen Schoppen gebracht hätte. Auch der Hof-
bauer blieb mit dem Trinken nicht zurück, und mit jedem Schoppen
legte er dem Heirathsgut seiner Susanne bedeutend zu; beim dritten
war es bereits auf 8000, beim vierten auf 10,000 Gulden ge-
stiegen. Endlich kamen wir, ich weiß nimmer wie, auch auf den
Anwalt in Bilfensbach zu sprechen. „Bei dem lnmpelts," sagte
der Hofbauer; „ich hätte auch sollen Bürge für ihn werden, aber
das laß' ich hübsch bleiben. Hat immer wollen so hoch hinaus,
und seiner ersten Tochter 3000 Gulden Heirathsgut aufinventiren
lassen; der, die er noch hat, wird er keine 300 geben können."
Ich sagte, es sei Schade, das Mädchen sei sonst nicht unrecht;
der Hofbauer aber war anderer Meinung, sagte, umsonst kommen
nicht immer so viele Gäste nach Bilfensbach. Ich widersprach, !
der Hofbauer wurde hitzig, ich noch hitziger, und als endlich der
Hofbauer hcrausplatzte: „Ich glaube, Sie sind auch schon bei
dem — gewesen!" machte ich eine so schnelle Bewegung gegen
den Grobian, daß er, ich weiß nicht, wie es zuging, alsbald aus
dem Boden lag. Der Hofbauer protestirle energisch gegen solche
Beweisgründe, ich wäre aber ihm wohl gewachsen gewesen; einige
der Anwesenden wollten abwehren und dies brachte mich noch
mehr auf. Ich ließ unbesonnener Weise etwas von „Langohren"
hören, was in Beilstein, wo man nicht kecklich einen Zipfel des

die heiligen drei Könige nämlich, und so hieß es bei mir auch.
In dem Stern aber gings lustig her, und das Luis chen hatte
kaum Zeit nach mir sich umzusehen. Tie ganze ledige Jugend von
Beilstein war anwesend und erfreute sich durch Wein und Gesang.
Was letztem anbelangt, so kann man doch eben nur im Schwabcn-
kande einen ächt gemüthlichen Volksgesang hören, und die Beil- |
fteiner sind nicht die schlechtesten Sänger Schwabens. Als Bei- I
>piel will ich nur einen Vers von den im Stern gesungenen
Liedern anführen; er ist aus einem Liebesliede und heißt:

„O du liabe Klnpperschlanga,

Du bist miar ins Herz 'nein ganga,

Du liegst mir in meinem Bauch,

Wie die Wurst im Sauerkraut."

Erlebnisse eines Freiers.

(Schluß.)

Ich tröstete mich damit, daß ich eigentlich in den Stern
gewollt hätte, und in die Mühle nur so im Vorbeigehen ge-
kommen sei, und eilte so schnell als möglich Beilstein zu.
„Und da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut,"


Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Erlebnisse eines Freiers"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Stern <Motiv>
Glas <Motiv>
Weißflügel-Turteltaube
Gasthausschild <Motiv>
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 16.1852, Nr. 380, S. 153 Universitätsbibliothek Heidelberg
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