Fliegende Blätter — 16.1852 (Nr. 361-384)

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XVI.

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Der verschriebene Kaurmermufikus.

sForisetzung.)

Als sie durch Süpplingen fuhren, steckte der erschreckte
Pastor Meier den benachtmützten Kopf aus dem Fenster seiner
Studierstube und blickte staunend in die dunkle Nacht hinaus.

„Ehrwürdiger Papelmayer, speckgenährter Diener der Kirche,"
rief ihm der Abt im Vorbeifahren zu, „du memorirst noch an
einer Predigt, die du schon fünfzig Mal gehalten und nicht ein-
mal selbst fabricirt hast. Schäme dich doch in deinen unersätt-
lichen Magen hinein und mache einmal eine eigene. Henke,
dein Consistorialrath, sitzt mit im Wagen und wird nächstens
kommen, dir den schwarzen Pelz einmal zu waschen."

Pastor Meier, ein alter fideler Bursche und Universitätsfreund
Lichtensteins erkannte den Necker recht wohl an der Stimme und
wünschte durch die Nacht ein glückliches „ Geh zum Teufel und
friß Spinnen!" herab. Später rief er noch hinterher: „Halt
einmal, Bruderherz, bring mir ein Füßchen Mumme mit, hörst
du? und eine Schlacke."

Es war bald nach acht Uhr des Morgens, da raffelte die
alte Gelbe mit ihrem werthvollen Inhalte in die Thore Braun-
schweigs hinein. Am Thore selbst aber gab es erst einen länger»
Aufenthalt; denn dort mußten nach alter löblicher Sitte Namen,
Stand und Gewerbe aller Einpassirenden genau angegeben und
ausgeschrieben werden. Kaum hielt daher die alte Gelbe unter
dem Thore, so erschien auch mit gravitätischem Schritte der alte
Thorschreiber, in der einen Hand eine mächtige Schiefertafel
haltend, mit der andern die alte Hornbrille fest aus die Nase
klemmend, um die Herren zu notiren.

„Wau vele hasten drinne, Swager?" schnarrte er dem Po-
stillon zu.

„Dat weit ik nich," erwiderte dieser, „ik hebbc se nich etellt."

„Seffe sittet drin!" sagte nun der lustige Abt.

Der Thorschreiber stieg in das Wagenrad, spähete in der
Kutsche umher und sagte dann hochdeutsch: „Ich aber zähle
sieben Stück."

„Dann zählst du mich ja mit, alter Knabe," erwiderte
Lichtenstein, „ich sitze aber nicht drinn, wie du siehst, sondern
| draußen."

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Der verschriebene Kammermusikus"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Schreiber
Stadttor
Karikatur
Postkutsche <Motiv>
Postillion <Kutscher, Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

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Künstler/Urheber (GND)
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Digitales Bild Digitales Bild
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Fliegende Blätter, 16.1852, Nr. 362, S. 9 Universitätsbibliothek Heidelberg
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