Fliegende Blätter — 16.1852 (Nr. 361-384)

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Erlebnisse eines Freiers.

„Wenn aus dem schrecklichen Gewühle
Ein süß bekannter Ton mich zog,"

läßt Goethe den Schwarzkünstler Faust sprechen, und dasselbe dachte auch
ich, obgleich ich eigentlich kein Schwarzkünstler bin, am Morgen des
ersten Sonntags nach Trinitatis, den 13. Juni 1852. Das „schröck-
liche Gewühle" aber war ein Traum; was mirs eigentlich geträumt
hat, weiß ich nimmer, jedenfalls etwas Schröckliches. Ter „süß be-
kannte Ton" aber war die Stimme meiner Haushälterin, welche Trepp
auf, Trepp ab im Hause rumorte, und einen Morgensegen betete, der
m keinem Gebetbuch zu finden ist.

Obgleich froh, den Schrecken des Traumes ent-
rissen zu sein, ärgerte ich mich doch ob des Lärmens
in meinem Hause, zumal es Sonntagmorgen war.
Ich war ordentlich böse auf meine Hauserin, und fing
an, darüber nachzudenken, ob ich denn gerade diese
haben müsse. Einmal auf solche Gedanken gebracht,
ging ich weiter und untersuchte, ob es überhaupt
nicht besser wäre, statt eines bezahlten Hausdrachen
(beiläufig bemerkt, ein Erbstück von meiner scl.
Mutter) eine Lebensgefährtin um mich zu haben,
die Freud und Leid mit mir theile u. s. w., kurz-
um, ich dachte allen Ernstes ans Heirathen. Der
Kaffee, der mir zum Frühstück aufgetischt wurde,
war gerade auch nicht geeignet, mich auf andere ,
Gedanken zu bringe», und so faßte ich den festen
Entschluß, dem Port des Ehestandes zuzusteuern. Als
resoluter Mann schritt ich auch alsbald zur That.

Ich iibcrschlug nun zuerst bei mir in Gedanken,
wer etwa von der schwächern Hälfte des menschlichen
Geschlechts auf meine Canditatenliste zu setzen sei,
und strich mir, beim Facit angelangt, vergnügt den
Bart; denn unter nicht weniger als sieben hatte
ich nach meiner Ansicht zu wählen: Des Bürger-
meisters Ricke, des Ochsenwirths Röschen, des
Schulmeisters Thekla, die drei von hier; item;
des Anwalts Käthchen von Bilfensbach, des
Storchenmüllers Lischen von. Eselsweiler, des
Sternwirths Lutschen von Beilstein und des
Hofbauern Susanne vom Steinacker. —

„er zählt die Häupter seiner Lieben,
und sieh, es waren richtig sieben;"
eine von diesen muß es sein.

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Erlebnisse eines Freiers"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Mann <Motiv>
Dienstmädchen <Motiv>
Frühstück
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 16.1852, Nr. 379, S. 145 Universitätsbibliothek Heidelberg
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