Fliegende Blätter — 3.1846 (Nr. 49-72)

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Gutes Recht.

Es sind die Bürger und Jnsaßen der alten Stadt Glurns
im Vintschgau von je berühmt gewesen ob ihrer Gerechtigkeits-
liebe; davon gibt schon einen schlagenden Beweis jener weltbe-
kannte Prozeß vom Jahre 1519, welchen sie mit ihren Feld-
mäusen führten, und diesen einen Fürsprecher beigaben, auch
den billigsten Abzugs-Kontract mit den Thierlein eingingcn.

In dieser selben Stadt lebte in unseren Tagen ein statt-
licher, wohlbeschlagener Hausknecht, der in der besten Herberge
des Ortes die einträgliche Gewaltherrschaft im Stalle führte,
welche diesen Major domus nach gutem Brauche zufällt, und
ihnen Zinsen und Ehrengaben und zehnerlei Sporteln einbringt
von Fuhrleuten, Landkutschern, Heu- und Strohbauern, Roß-
händlern und ähnlichem Volke. Derlei angesehene Dienstman-
nen befleißen sich daher auch eines ihrer Würde entsprechenden

Prunkes in Kleidung und Putz, wozu sie neben sehr blank ge-
wichsten hohen Stiefeln »nd einem rothseidenen Paraplui, einen
dicken silbernen Ring, eine silberbeschlagene Maserpfeife und vor
Allem einen Ungeheuern, blauen, feintuchenen Mantel mit dop-
peltem Kragen rechnen, welches Kleidungsstück eigentlich ihre
festliche Amtstracht ansmacht, und daher bei Hitze oder Kälte
an allen Feiertagen getragen wird.

Im Vintschgau, wo es, wie die Leute dort selber sagen,
acht Monate lang Winter und vier Monate kalt ist, mag ein
solches Prachtstück schon weniger als ein Luxusgewand gelten,
und der Rößl-Martin konnte für keinen Verschwender ausge-
schrieen werden, als er am Michaelis-Markt von einem Ju-
den Tuch zu einem neuen Mantel einhandelte, da er diesem
obendrein seinen alten auf Abschlag daran gab. —

Mit dem schönen, glänzenden Zeuge ging er zum Schneider
Pankraz, welcher als der kundigste Scheer- und Nadelführer
gilt im ganzen Umkreis der Glurnser Ringmauern, und betraute
diesen mit dem Aufträge, ihm bis Martini einen Mantel anzu-
fertigen, der seines Gleichen nie gehabt hätte, so lange es einen
Rößl-Hausknecht und blaue Mäntel gibt. Der geehrte Meister
versprach das Niegesehene zu leisten und so ging einstweilen der
Martinus in der kurzen Jacke fröhlich umher trotz der unsanften
Oktoberlüfte, es konnte ihn auch gar nicht frieren, da ihm im
Geiste der stolze Mantel fix und fertig um die Schultern hing.

Wenn er während der Zeit dem Meister Pankraz begeg-
nete, fragte er immer: „Wird er ein wen'g sauber, mein
Mantel?" und der antwortete: „Ich Hab' selbst in Augsburg
und in Pasiau nie so ein Stück unter der Hand gehabt."

Sechs Wochen waren um, der Sonntag vor Martini
glücklich erwartet, und nach gutem Schncidergebrauch erschien !
auch ein kurzes Viertelstündchen, ehe es zur Kirche zusammen !
läutete, der Pankraz mit dem sorgsam eingewickelten Pracht-
stück vor dem Hausknechte im Rößl.

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Gutes Recht."
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Schmolze, Carl Hermann
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Auseinandersetzung
Schneider
Knecht <Motiv>
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 3.1846, Nr. 51, S. 25 Universitätsbibliothek Heidelberg
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