Fliegende Blätter — 3.1846 (Nr. 49-72)

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III. Sand.

Das war zu viel für den armen Curtis! er verschluckte die
schon halb begonnene Anrede, steckte das Messer in den.Gürtel,
faßte sein Pferd am Zügel, hielt aber noch einmal und warf
einen letzten, fragenden Blick auf die Schönen. Diese aber
waren indessen in ein lautes Kichern ausgebrochen, das in dem
blühenden Dogwoodbusch ein schallendes Echo fand, und ein
paar blaue Heher, die gerade über der kleinen Versammlung
auf dem jungen Aste eines jungen Sassafras saßen, stimmten
mit ihren schmetternden, plappernden Stimmen ein in den
Lärm. Curtis saß mit einem Sprung im Sattel.

„Good bye Ladies!" rief er mit lauter, trotziger Stimnie,
und als ob er hinter einem alten Bären her auf flüchtiger

Curtis Brantfahrt.

Aus dem Arkansischen Leben von Fr. Ger stacker.
(Fortsetzung.)

Hetze den Wald durchrase, so flog er, über mehrere gestürzte
Stämme hinweg, der mit so frohen Hoffnungen verlaffenen
Countystraße wieder zu.

Vergebens riefen ihm jetzt die Mädchen nach, zum Hause
zu reiten und bei ihren Ellern zu übernachten, vergebens ver-
sprach Lucy ihn nicht zu necken, und keine Sylbe des Vor-
gefallenen zu erwähnen, er hörte nichts von ihren versöhnen-
den Worten, und nur das spöttische (ihm teufli sch vorge-
kommene^ Lachen tönte und klingelte ihm noch in den Ohren,
als er schon mehrere Meilen in scharfem Trabe zurückgelegt,
und nun endlich anfing die Sache ruhig zu überdenken.

„Verdammt!" rief er, und zügelte den Eifer des schäu-
menden Thieres ein wenig, indem er sich zugleich erschrocken
umsah, ob Niemand den gotteslästerlichen Fluch geh ört habe,
„kann ein einzelner Mensch größeres Unglück auf der weiten
Gotteswelt haben, als ich an diesem gesegneten Morgen ge-
nossen? Aber gut — gut — spottet nur, lacht nur, meine
Miß Lucy und meine Miß Betsy, verhöhnt nur den aufrich-
tigen Freier, der sich Euch mit treuem Herzen naht, Ihr wer-
det's schon noch einmal bereuen und dann will ich triumphiren;
dann ist mein kleiner Neger groß geworden, mein baares Geld,
meine hundert und fünfzig harten Dollar haben sich vermehrt,
und die Zeit möchte kommen, wo Ihr Euch lieber Mistreß
Curtts als Miß Lucy oder Miß Beffy nennen hörtet."

Er hatte sich bei den letzten Worten im Sattel umge-
dreht, und hob drohend den rechten Zeigefinger nach der
Richtung hin auf, aus der er eben gekommen war. Seine
Selbstliebe trug aber endlich den Sieg über die gekränkte
Eitelkeit davon, ein mitleidiges, fast höhnisches Lächeln
umspielte für einen Augenblick seine Mundwinkel, und fich
dann fester im Sattel setzend, preßten seine Schenkel auf's
Neue die Flanken des edlen Thieres, das mit ihm in langen
Sätzen über die felsige Straße dahinflog.

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Curtis Brautfahrt"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

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Werktitel/Werkverzeichnis

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München

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Publikation

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Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Reiter <Motiv>
Karikatur
Junge Frau <Motiv>
Satirische Zeitschrift

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Fliegende Blätter, 3.1846, Nr. 60, S. 89 Universitätsbibliothek Heidelberg
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