Fliegende Blätter — 3.1846 (Nr. 49-72)

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Negers und seiner hundert und fünfzig Dollar zu schätzen wußten,
ohne des anderen Eigenthumes zu gedenken.

Fest entschlossen also, den Muth nicht sinken zu lassen,
hüllte er sich dicht in die weiche Steppdecke ein und Gott
Morpheus nahm ihn sanft in seine Arme.

Am nächsten Morgen war er schon vor Tagesanbruch auf
und besorgte sein Pferd; dringende Geschäfte riefen ihn, wie er
dem alten Ewis sagte, noch weiter am Fourche la fave hinauf,
und Miß Anna nur einen guten Morgen durch die Thüre zu-
rufend; als er, schon im Sattel, am Hause vorbeiritt, drückte er
dem alten Manne herzlich die Hand und sprengte auf der
Countystraße weiter.

„Nein Curtis", sprach er aber dabei mit sich selber, „weg-
werfen thust Du Dich auch nicht; bitten und betteln ist Deiner
unwerth, Du bist ein ordentlicher Kerl und hast"' — er griff
plötzlich dem Pferd in den Zügel und hielt in seinem Selbstge-
spräch und im Reiten an. Ein Gedanke durchzuckte ihn — „ich
glaube, Miß Anna hat sich über meinen kleinen Neger lustig ge-
macht— sie lachte auf eine höchst unanständige Art, als ich ihn
erwähnte —■ nun gut", fuhr er, dem Braunen den linken Sporn
wieder eindrückend, fort, indem dieser einen, der Anreizung ent-
sprechenden Seitensatz that, und dann pfeilschnell mit ihm unter
den thauträufelnden, duftigen Zweigen davonflog, „nun gut —
wir werden ja sehn. Doch Miß Anna — die Einzige sind
Sie nicht in der Ansiedlung — Sie wahrhaftig nicht."

Aber armer Curtis! — wieder und immer wieder solltest Du
Deine Hoffnung, Dein felsenfestes Vertrauen getäuscht und be-
trogen sehen; wieder und immer wieder fandest Du Dich ver-
schmäht, zurückgewiesen, und ach, an vielen Orten gar verspottet.

Am rechten Ufer des Fourche la fave kam ihm ein An-
siedler, den er noch gar nicht kannte, sogleich mit der Frage
entgegen : „Ach, Sie sind der, der den kleinen Neger und die
hundert und fünfzig Dollar hat, nicht wahr?" An anderen

Curtis Brautfahrt.

Aus dem Arkanfifchen Leben von Fr. Gerstäcker.
(Fortsetzung.)

Curtis verzehrte sein Abendbrod sehr traurig — es war
ihm, als od ihm die Bissen im Munde stecken blieben, er ver-
brannte sich, zweimal den Mund und nahm einen Löffel voll
Senf statt braunem Zucker in den Kaffee; die Mahlzeit wurde
auch sehr abgekürzt — der alte Ewis führte allein das Wort,
erzählte ein paar lange Geschichten von einer Kuh, die ein
Panther gefteffen haben sollte und die nachher wieder plötzlich
zum Vorschein gekommen war, und endlich konnte sich Curtis
zurückziehn, und sein stilles einsames Lager suchen.

Sinnend verwäumte er einen Theil der Nacht, aber auch
ftischen, neuen Lebensmuth sog er aus diesen Träumen. Wes-
halb sollte er sich bei dem zweiten, eigentlich nur ersten Ver-
suche abschrecken lassen, denn bei Trumbclls war er ja nicht
einmal an's Haus geritten. Nein — noch gab es mehr und
recht hübsche Mädchen in der Anfiedlung, und solche auch wahr-
j scheinlich, die seinen eigenen Werth, wie den seines kleinen

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Curtis Brautfahrt"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Kommentar
Undientifizierte Signatur

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Geld <Motiv>
Karikatur
Traum <Motiv>
Engel <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

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Künstler/Urheber (GND)
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Digitales Bild Digitales Bild
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Public Domain Mark 1.0 Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 3.1846, Nr. 61, S. 97 Universitätsbibliothek Heidelberg
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